IG Metall kämpft für den Feierabend

Kommentar: Kampf gegen die Zeitfresser

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Frank Pröse

Offenbach - Jeden Tag werden knapp 150 Milliarden E-Mails um den Globus geschickt - Tendenz stark steigend wie Relevanz stark fallend. Von Frank Pröse

Mit der Einführung der Flatrate scheint die Hemmschwelle gesunken zu sein, nichtssagenden Müll insNetz zu schicken. Fachleute sind sich weitgehend einig, dass E-Mails praktisch allen Unternehmen mehr schaden als nützen - eben wegen uneffektiver Kommunikation. Laut Studien geht der ökonomische Schaden jährlich in die Milliarden, der gesundheitliche führt bis zum Burnout.

Alle 13 Minuten durchschnittlich werden Bürobeschäftigte bei ihren Aufgaben unterbrochen. Am Ende des Tages hat die Bearbeitung von E-Mails etwa anderthalb Stunden gekostet, obwohl die Mails - oft vorsorglich - nur über CC bei den Adressaten ankommen, also meist gar nicht für sie gedacht sind. Hinzu kommen je 15 bis 25 Minuten Arbeitszeit zur Wiedereinarbeitung in die aktuelle Aufgabe. Interessant: Durch die stete Ablenkung sinkt auch die Konzentration in den Phasen ohne Unterbrechung! Doch damit nicht genug: Die E-Mail-Flut ebbt auch außerhalb des Geschäfts nicht ab. Das nervt neben den Adressaten zunehmend die Arbeitgeber, insofern tritt die IG Metall mit ihrem Vorstoß auch offene Türen ein. Immer mehr Firmen haben schon Regeln aufgestellt, um der Masse auch unnützer Information Herr zu werden.

E-Mail-Flut und ständige Erreichbarkeit übers mobile Telefon - mit der Zeit und Nerven fressenden Plage muss sich unsere Gesellschaft zwangsweise auseinandersetzen. Dabei können rigorose Methoden helfen, wie die Abschaltung des Servers nach Feierabend bei Volkswagen, aber auch freiwillige Vereinbarungen mit der Führungsebene wie bei Telekom. Über Absprachen in Einzelfällen und bei absehbarem Bedarf kann die Erreichbarkeit ja auch gesichert werden. Und schließlich liegt es an uns allen, uns mehr zu disziplinieren und nicht jeden Pups auf die Reise zu schicken.

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