Kommentar

Visionen fehlen

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Marc Kuhn

Groß waren die Erwartungen an das neue Führungsduo der Deutschen Bank. Schließlich leidet der Branchenprimus seit Jahren unter den Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise. Anshu Jain und Jürgen Fitschen haben indes enttäuscht.

Ihre „Strategie 2015“ brachte nicht allzu viel Neues. Visionen sehen anders aus. Die Problemstellung hat Fitschen angedeutet: „Wir sehen keinen Widerspruch zwischen wirtschaftlichem Erfolg und gesellschaftlicher Akzeptanz.“ Zwischen diesen beiden Eckpfeilern bewegt sich die Deutsche Bank. Den Aktionären muss sie attraktive Renditen bieten. Auf der anderen Seite gilt es, den - nicht nur bei ihr - angekratzten Ruf des Finanzinstituts aufzupolieren. Gelingt es nicht, das Image zu verbessern, so bleibt auch der Erfolg aus.

Dass Jain und Fitschen zwischen den Stühlen sitzen, dürften die Reaktionen auf das von ihnen gesteckte Ziel bei der Eigenkapitalrendite zeigen. Sie haben sich von den ambitionierten Vorgaben ihres Vorgängers Josef Ackermann verabschiedet. Dieser wollte mit der Deutschen Bank eine Rendite von 25 Prozent erwirtschaften, seine Nachfolger peilen nur noch zwölf Prozent an. Die Anteilseigner der Deutschen Bank wird die neue Bescheidenheit sicherlich enttäuschen. Manch ein Bürger wird in ihr dagegen die Rückkehr zur Normalität sehen.

Lichtblick: Das unabhängige Expertengremium

Ähnlichen Beifall dürften die Pläne des Führungsduos für Reduzierungen bei den Bonuszahlungen für Manager hervorrufen. Allerdings sind sie bisher wenig transparent. Somit ist nicht ersichtlich, ob der Zockerei wirklich ein Riegel vorgeschoben wird. Ein Lichtblick ist allerdings das unabhängige Expertengremium, das die Vergütungspraxis bei den Spitzenbankern unter die Lupe nehmen soll. Allerdings muss sich erst zeigen, ob ein möglicherweise erhobener Zeigefinger auch Folgen hat.

Die einzige Überraschung, die Jain und Fitschen zu bieten hatten, ist die „Bad Bank“. In dieser Geschäftseinheit sollen Giftpapiere im Wert von immerhin rund 135 Milliarden Euro abgewickelt werden. Eine recht beeindruckende Zahl. Erschreckend ist, dass die Deutsche Bank noch immer so viel Risiko in ihren Bilanzen hat. Offenbar will sich das Geldhaus wieder auf seine Kerngeschäfte Investmentbanking, Vermögensverwaltung und das breite Kundengeschäft konzentrieren.

Die „Strategie 2015“ ist ein Zwischenschritt beim Umbau der Deutschen Bank. Es sind kurzfristige Maßnahmen, die greifen sollen, bis Jain alleine das Ruder übernimmt. Der Vertrag von Fitschen läuft bis 2015. Fraglich ist, ob die Investoren so viel Geduld haben.

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