Gefahr nicht unterschätzen

Kommentar: Opec-Ölländer im Clinch

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Marc Kuhn

Offenbach: Die Opec steckt in einer tiefen Krise. Die Geschlossenheit in den Reihen der Monopolorganisation verhinderte früher eine Preisbildung auf dem Ölmarkt. Von Marc Kuhn 

Mit ihren Förderquoten und der Herrschaft über die weltweiten Reserven diktierte die Gemeinschaft die Preise und übte massiven Einfluss auf die Weltwirtschaft aus. Doch die Zeiten haben sich geändert – zumindest teils. Unterschiedliche Interessen haben die Reihen aufgelöst. Der Iran beispielsweise will nach Jahren der Sanktionen sein Öl auf den Markt schwemmen. Nun ist die Opec zerstritten, die Preise sind seit Monaten im freien Fall. Und die gescheiterte Konferenz vom Wochenende ist ein schlechtes Omen. Auf den ersten Blick mag diese Entwicklung Grund zur Freude sein. Der deutsche Autofahrer grinst beim Tanken mittlerweile zufrieden angesichts niedriger Spritpreise. Und auch die Wirtschaft in den westlichen Ländern freut sich über erschwingliche Energiekosten – auch wenn der deutsche Staat die Unternehmen weiter abkassiert.

Doch Vorsicht ist geboten. Der Zwist in den Reihen der Opec-Länder kann zu einer Gefahr für die Entwicklung der internationalen Wirtschaft werden. Der niedrige Ölpreis zwingt Firmen in die Knie. Der Arbeitsplatzabbau läuft bereits. Pleiten sind nicht mehr ausgeschlossen. US-Unternehmen können sich das Fracking, die Gewinnung von Energie aus Gestein, kaum noch leisten. Und in Staaten wie Venezuela und im Riesenreich Russland sorgen die Niedrigpreise für erhebliche Löcher in den Haushalten. Die Länder können Produkte zum Beispiel aus Deutschland kaum noch bezahlen. Die Exporte leiden. Ganz zu schweigen von möglichen politischen Unruhen. Einst setzte die Geschlossenheit der Opec die Weltwirtschaft unter Druck, nun ist es ihre Zerstrittenheit.

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