Ackermann wird Chefaufseher

Kommentar: Peinliches Geschacher

Nicht nur in den Türmen der Frankfurter Banken ist die Freude groß. Auch manchen Politikern in Berlin ist wohl ein Stein vom Herzen gefallen. Dass sich die Spitze der Deutschen Bank nach wochenlangen Ränkespielen endlich auf eine neue Führung geeinigt hat, sorgt allgemein für Erleichterung. Von Marc Kuhn

Ein Duo soll die Geschicke des größten deutschen Geldhauses künftig lenken - es hat sich bezeichnenderweise keine Persönlichkeit gefunden, die alleine in die Fußstapfen von Josef Ackermann treten kann.

Geschickt hat der Schweizer im Hintergrund die Fäden gezogen und auch seinen alten Widersacher Clemens Börsig aus dem Amt gedrängt. So will Ackermann bald als Chefaufseher die Geschäfte des Instituts und die Arbeit der mit seiner Hilfe inthronisierten Vorstandschefs kontrollieren. Aus dem Duo wird ein Trio - von einer Unabhängigkeit des Aufsichtsrats kann da keine Rede sein.

Um die Vorgaben des Gesetzgebers schert man sich bei der Deutschen Bank nicht. Schamlos werden Schlupflöcher genutzt, die das Aktiengesetz und die Richtlinien für gute Unternehmensführung offen gelassen haben. Stimmen 25 Prozent der Kapitaleigner für Ackermann, rutscht er direkt vom Vorstandssitz auf den Stuhl des Aufsichtsratsvorsitzenden. Die Mehrheit ist ihm sicher. Ein peinlicher Schachzug. Interessenkonflikte drohen. Ebenso schlimm: Das noch von der Finanzkrise ramponierte Image der Banker nimmt weiteren Schaden. Macht- und Geldgier scheinen immer noch wichtiger als Ethik und Grundsätze.

Schade, dass Ackermann in dieser Weise taktiert. In der Wirtschafts- und Eurokrise hatte er sich doch als geschickter Vordenker und gefragter Ratgeber bewiesen. Derweil offenbart das Postengeschacher einmal mehr Schwachpunkte marktwirtschaftlicher Mechanismen. Nun ist der Gesetzgeber gefragt: Wenn seine Vorgaben ausgehebelt werden, bleibt nur ein Verbot. Schließlich ist die Kontrolle eines Firmenvorstands im Interesse des Verbrauchers und der Aktionäre.

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