Pilotenstreik bei Lufthansa

Kommentar: Einigung in weiter Ferne

Die Lufthansa ist nicht zu beneiden: Auf der einen Seite lauert Ryanair mit Kampfpreisen und bescheidenem Service. Weil sie vor allem existenzbedrohte Billig-Flughäfen fernab der Metropolen ansteuert, ist die irische Fluggesellschaft hochprofitabel. Von Martin Prem

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Auf der anderen Seite ringen aufstrebende Airlines aus dem fernen und mittleren Osten um die anspruchsvollen Kunden. Weil sie vor allem die Drehkreuze ihrer Heimatländer auslasten sollen, kommt es für sie auf Profit vorerst nicht so sehr an. Dazwischen steht neben Air France und British Airways die Lufthansa und weiß nicht so recht, was sie ihren Aktionären bei schrumpfenden Ertragsaussichten zumuten kann.

Gestern haben die Aufsichtsräte den Kurs des Konzenchefs Carsten Spohr abgesegnet, der die Billig-Töchter stärken will – und damit die Kosten senken. Das geht nicht ohne Einschnitte beim vergleichsweise gut bezahlten Lufthansa-Personal. Die dazu geplante Flucht aus dem Tarif – und nicht eine üppige Übergangsversorgung, von der jeder weiß, dass sie nicht zu halten sein wird – ist Grund für die Härte des derzeitigen Arbeitskampfes, dessen Beilegung gestern unwahrscheinlicher geworden ist.

Dabei hätten beide Seiten allen Grund, eine Einigung zu suchen. Die Piloten, weil die Lufthansa trotz allen Sparwillens einer der besten Arbeitgeber im Luftverkehr ist. Und auch die Lufthansa, weil sie auf die Treue ihre Belegschaften vor allem dann angewiesen sein wird, wenn die Branche weltweit mit Kampfangeboten auf Abwerbetour geht. Denn alle Prognosen sagen mittelfristig einen dramatisch steigenden Luftverkehr voraus – mit hohem Bedarf an Piloten. Ein Kompromiss, bei dem beide Seiten Federn lassen müssen, aber keine wirklich gerupft wird, wäre auf lange Sicht das beste Zukunftsprogramm.

Rubriklistenbild: © Klaus Haag

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