Dialog statt Aktionismus

Kommentar: Poststreik und kein Ende?

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Die Post wird im Tarifkonflikt zunehmend erfinderisch, um noch halbwegs ordentlich Briefe und Pakete zustellen zu können: Jetzt springen sogar Großkunden dem Unternehmen zur Seite und helfen beim Sortieren. Von Achim Lederle

Auch mit Taxis sollen jetzt laut Verdi im Raum Frankfurt Pakete verteilt werden. Die Gewerkschaft hat zudem einen polnischen Bus gesichtet, der „Streikbrecher“ aus Osteuropa im Briefzentrum angekarrt habe. Und auch Beamte sollen jetzt angeblich mithelfen, die Streikfolgen zu mildern. Während die Post die „großartige Geste“ der „Verbundenheit und Solidarität unserer Kunden“ lobt, schäumen die Gewerkschaften und empören sich darüber, dass dem Konzern „offenbar jedes Mittel recht ist, einen legitimen Streik zu unterlaufen“.

Die Post rühmte sich gestern, noch fast 80 Prozent der Briefe und über 70 Prozent der Pakete pünktlich zuzustellen. Diese Quoten zu halten, dürfte dem Konzern jedoch von Streiktag zu Streiktag schwerer fallen – aller Phantasie beim Rekrutieren von Zustellern zum Trotz. Es wird Zeit, dass der Konzern wieder den Weg zurück an den Verhandlungstisch findet. Denn die Post spielt mit ihrem Renommee – das heißt ihrer Seriosität. Es ist unseriös, um jeden Preis den normalen Betrieb aufrechterhalten zu wollen und dabei auch ungelernte Hilfskräfte einzusetzen, die es vielleicht mit dem Brief- und Postgeheimnis nicht so genau nehmen.

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Hintergrund der Radikalmaßnahmen ist vor allem, dass es sich die Post nicht mit Großkunden wie Amazon verderben möchte. Dies ist zu kurzsichtig: Die Post sieht nicht, dass sie auf dem besten Weg ist, ihren guten Ruf zu verspielen. Das Post-Management wird Kompromisse eingehen müssen. Die unterschiedlich bezahlte Zwei-Klassen-Gesellschaft bei den Zustellern ist kein tragfähiges Zukunftskonzept. Darüber muss der Konzern mit Verdi reden. Statt Aktionismus ist wieder Dialog gefragt – je früher, desto besser.

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