Ringen um Alstom

Kommentar: Siemens unter Druck

Die Offerte aus den USA hat Siemens mächtig unter Druck gesetzt. Würde General Electric den französischen Rivalen Alstom übernehmen, müsste der deutsche Konzern mit viel mehr Wettbewerbsdruck auf dem Kontinent rechnen. Von Marc Kuhn

Schließlich ist der amerikanische Konkurrent größer und besser aufgestellt als Siemens. Allerdings ist nachvollziehbar, dass Joe Kaeser reagieren musste und für sein Haus ebenfalls ins Ringen um Alstom eingestiegen ist. Für Siemens kommt die Übernahmeschlacht indes zur falschen Zeit. Nach dem Putsch gegen Peter Löscher ist Kaeser voll und ganz mit der Neuausrichtung des Unternehmens beschäftigt. Die Energiewende bietet ihm zwar Chancen. Der Technologieriese kann sie bisher allerdings noch nicht ausreichend nutzen. Das soll sich ändern. Die mögliche Integration der Energiesparte von Alstom in den Siemens-Konzern mag Potenziale heben, sie kompliziert aber auch die Reform des Konzerns.

Insbesondere auf das Energiegeschäft dürfte ebenfalls GE scharf sein. Wissen die Amerikaner doch um die Möglichkeiten, die die Energiewende und der Investitionsstau bei Kraftwerken in Deutschland und Europa bieten. Und wenn die Konjunktur stärker anspringt, werden die Energieproduzenten wohl auch wieder mehr Geld ausgeben.

Derweil dürfte das Tausch-Angebot von Siemens für den französischen Staat reizvoll sein. Würden sich die Münchner die Energiesparte einverleiben und im Gegenzug Alstom das ICE-Geschäft überschreiben, behielte Paris zumindest teils die Zügel in der Hand. Das käme der französischen Regierung entgegen, ist sie doch verärgert über den Alleingang der Alstom-Spitze. Schließlich hat eine aktive Industriepolitik Tradition in Frankreich. Ob die Rechnung von Siemens indes aufgeht, bleibt abzuwarten. Vor allem die Wettbewerbsbehörden könnten den mahnenden Finger erheben. Hätte Alstom bei den Schnellzügen nach dem Deal doch eine wettbewerbsbeherrschende Stellung. Und: General Electric wird im Tauziehen um Alstom sicherlich nachlegen.

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