Tödliche Textilien aus Asien

Kommentar: Standards für Import möglich

Mit trauriger Regelmäßigkeit sterben in Bangladesch Menschen bei ihrer Arbeit. Fast 800 Tote sind nach dem jüngsten Einsturz einer Textilfabrik zu beklagen. Von Achim Lederle

Die Jobs der Näherinnen in Bangladesch sind nicht nur lebensgefährlich, sie sind auch Musterbeispiele für modernes Sklaventum. Unter menschenunwürdigen Verhältnissen schuften die Frauen dort für höchstens 40 Euro im Monat. Für viele zu viel zum Sterben, aber zu wenig zum Leben.

Wer in Deutschland eine Jeans für 9,90 Euro kauft, muss ein schlechtes Gewissen haben. Für diesen Preis kann es weder Qualität noch faire Bezahlung für die Näherinnen geben. Dies sollte jedem Käufer klar sein. Das Problem ist jedoch, dass es bei einer Jeans für 99 Euro oft nicht anders ist. Die kommen nämlich häufig aus der gleichen Fabrik wie die Billighose. Die Kampagne für Saubere Kleidung hat ausgerechnet, dass die Lohnkosten einer in Asien genähten 100-Euro-Jeans bei nur einem Euro liegen. Die Werbung mache 25 Euro aus, satte 50 Euro stecke der Handel ein.

Was können Verbraucher also tun, um halbwegs sicher zu sein, dass sie fair produzierte Ware kaufen? Eine Möglichkeit ist ein Blick auf die Labels wie zum Beispiel dem grünen „Global Organic Textile Standard“ (GOTS). Zu dessen Kriterien gehören das Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit sowie ein gesunder und sicherer Arbeitsplatz. Weitere Möglichkeit ist die Information im Internet, wo immer mehr Öko-Labels ihre Ware anbieten und in Blogs über faire Produkte diskutiert wird.

Das Grundproblem jedoch ist, das es keine einheitlichen Standards für importierte Kleidung aus Asien gibt. Hier ist dringend die Politik gefordert. Nur über europaweit gültige Import-Kriterien für Textilien aus Asien ließe sich vielleicht etwas an den skandalösen Arbeitsbedingungen vor Ort ändern.

Mehr Kontrolle vor Ort kostet aber Geld, was die importierte Ware verteuern würde. Die Jeans für 9,90 Euro gäbe es dann nicht mehr, aber dafür ein besseres Gewissen, dass für Kleidung, die in Europa getragen wird, Menschen in Asien nicht sterben müssen.

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