Stromer kassieren ab

Kommentar: Energiewende als Feigenblatt

Am Energiemarkt nichts Neues: Die Stromriesen kassieren ihre Kundschaft ab. 2,1 Milliarden Euro stellen sie über jenen Betrag hinaus in Rechnung, der durch steigende Kosten gerechtfertigt wäre. In etwa den gleichen Vorwurf mussten sie sich bereits 2011 gefallen lassen. Von Frank Pröse

Beide Male muss die Energiewende zur Rechtfertigung herhalten. Damit lassen sich aktuell sechs Prozent Teuerung recht plausibel erklären. Und der Rest? Zwölf Prozent Preisaufschlag sind eine Unverschämtheit, zumal der Einkauf an der Strombörse wegen des großen Angebots günstiger ausfällt.

Dass die Energiewende zusätzliche Kosten verursacht, das war allen bereits klar, als sie beschlossen wurde. Doch was jetzt in deren Namen in Rechnung gestellt wird, erinnert an unlauteres Geschäftsgebaren. Da steigt die EEG-Umlage für den Ausbau der Öko-Energie um 1,7 Prozent, doch ein Großteil der Firmen ist davon befreit. Netzentgelte für Erneuerung und Wartung steigen um 0,5 Cent und damit über Gebühr, weil Sonderregelungen für stromintensive Firmen einen Aufschlag für den Rest zur Folge haben. Und wundere sich keiner, wer sich alles zu den stromintensiven Firmen zählt. Schließlich schlagen Offshore-Haftungsregelungen mit 0,25 Cent zu Buche, mit denen der Verbraucher ursprünglich unternehmerische Risiken von Windparkbetreibern tragen muss. Und schließlich steigt die KWK-Umlage zur Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung um 0,13 Cent.

Die lange Liste zweigt eindrücklich, wie die Bundesregierung zu Lasten der Verbraucher Einfluss auf den Strompreis genommen hat. Diese staatlichen Eingriffe in den Markt machen wohlgemerkt aber nur sechs Prozent der Strompreis-Teuerung aus. Den Rest schlagen die Konzerne drauf, die man schon mal fragen darf, warum sie ihre in den vergangenen Jahren erwirtschafteten Milliarden nicht längst in den Ausbau von zukunftsfähigen Netzen gesteckt haben. Für das Versäumnis sollen jetzt die Verbraucher zahlen und die Regierung spielt brav mit. Die Energieriesen tragen ihren Spitznamen zurecht, die Stromer.

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