Sonnenkönige von Wolfsburg

Kommentar: VW-Vorstände pochen auf Boni

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Frank Pröse

Wenn Volkswagen die Folgen der Affäre um manipulierte Abgaswerte einigermaßen verdauen kann, werden nur einige Tausend Mitarbeiter ihren Job verlieren und der Automobilkonzern bleibt erhalten. Wenn´s ganz schlecht läuft, kann VW aber auch auf der Liste der in der Versenkung verschwundenen großen deutschen Unternehmen auftauchen. Von Frank Pröse

Auf alle Fälle stehen dem Autobauer schwere Zeiten bevor, was aber diejenigen nicht zu tangieren scheint, die für die Affäre und deren negative Ausstrahlung auf die deutsche Industrie Verantwortung tragen. Sie bestehen auf ihre Bonuszahlungen, lassen allenfalls über Abschläge mit sich reden. Der Aufsichtsrat wiederum erkennt eine „existenzbedrohende“ Lage, ist jedoch zugleich willens, den Top-Managern ihre Boni vertragsgemäß zuzugestehen. Der Betriebsrat schimpft, dem Management würde jedes Gespür für den Ernst der Lage fehlen. Stimmt nicht so ganz. Die Lage ist schließlich nur für VW ernst, nicht für das Management, das im Ernstfall die Firma wechselt und dabei garantiert weich fällt. Abhängig Beschäftigte der unteren Etagen sind da existenzieller mit dem Unternehmen verbunden.

Die Sonnenkönige von Wolfsburg pochen auf ihre Verträge. Und in denen sind Boni eben nicht wie allgemein angenommen an den Erfolg des Unternehmens oder die persönliche Leistung oder gar verbesserte Zukunftsaussichten der Firma geknüpft, sondern quasi fester Bestandteil des Gehalts. Ungeachtet dessen erfordert es der Anstand, dass Führungskräfte in schwierigen Zeiten mit gutem Beispiel vorangehen und nicht auf Vereinbarungen pochen, die sie andererseits beim Mitarbeiter am Band ja auch nicht einhalten.

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Die VW-Gewaltigen täten gut daran, Demut walten zu lassen, und mit dem Verzicht auf Boni ein Zeichen zu setzen für jene, die sie bei der Aufarbeitung der Affäre dringend brauchen: Mitarbeiter und Kunden. Denn auch wenn es angesichts der Summen nur um Symbolik geht; sie ist beiden Gruppen wichtig. Und da schließt sich der Kreis: Dass der Vorstand den negativen Imageeffekt seiner Instinktlosigkeit und die Folgen wie einen möglichen Absatzrückgang nicht überlegt, deutet einmal mehr auf die Defizite dieses Managements hin.

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