Kommentar zum Wechsel in der Opel-Führunsspitze

Kommentar: Bärendienst aus Detroit

Jetzt also soll es zunächst einmal Thomas Sedran richten. Der Mann ist von den GM-Allgewaltigen - vorerst - auserkoren, Opel wieder in die Erfolgsspur zu fahren. Ihm ist alles Gute zu wünschen.

Warum aber sollte dem Neuen als Chef auf Zeit in Rüsselsheim das glücken, was 15 seiner Vorgänger seit den glorreichen 70er Jahren nicht gelingen konnte? Dazu müsste einmal die unstete Unternehmenspolitik der Mutter in Detroit der Vergangenheit angehören, wofür die überraschende Demission von Karl-Friedrich Stracke in der vergangenen Woche ja nicht gerade spricht. Zweitens müsste eine tragfähige europäische Strategie für Opel her. Und drittens sollte das GM-Management den Fortbestand der deutschen Tochter nicht ständig in Frage stellen. Das alles hat Vertrauen gekostet und Opel in eine schwere Absatzkrise gefahren. Konkurrent Volkswagen konnte den Absatz hingegen steigern. Die Wolfsburger sind im Vergleich deshalb interessant, weil sie sich früher einmal ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Opel lieferten. Heute sind sie weit enteilt, obwohl sie nicht unbedingt die besseren Autos bauen. Wird nämlich die Pannenstatistik zu Hilfe genommen, dann schneiden die Rüsselsheimer das eine oder andere Mal sogar besser ab. Also kommt hier die Verantwortung der GM-Manager ins Spiel. Sie haben dem Image von Opel mit ihrem Crashkurs einen Bärendienst erwiesen.

Die Absatzkrise in Europa ist eines der drängendsten Probleme, die der Interimschef in den Griff bekommen muss. In einer solchen Situation wirkt sich die anhaltende Führungskrise äußerst kontraproduktiv aus. Zudem ist jetzt fraglich, ob der von Vorgänger Stracke Ende Juni vorgestellte Sanierungsplan haltbar ist. In diesem Umfeld soll eine total verunsicherte Mitarbeiterschaft Opel „revitalisieren“, wie es ein Unternehmenssprecher ausdrückt. Das hört sich schon sehr nach letzten Rettungsmaßnahmen mit Mund-zu-Mund-Beatmung an. Der Patient ist noch nicht tot, doch wird nicht alles dafür getan, dass er auch überleben kann. So wird die große Schwester Chevrolet in der ganzen Welt vermarktet, während Opel die Ausrichtung auf lukrative Exportmärkte verwehrt bleibt. In Europa wiederum bekommen Opel/Vauxhall keineswegs Exklusivität zugesichert. Chevy darf überall konkurrieren. So jedenfalls wird die angestrebte „nachhaltige Profitabilität“ von Opel nicht zu erreichen sein, egal, wer an der Spitze steht. Zumal es keine Veranlassung gibt, an eine Wende zur besseren Außendarstellung zu glauben. Dazu lassen die zu oft recht hemdsärmelig agierenden GM-Manager immer noch eine vertrauenerweckende Strategie vermissen.

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