„Kontinuität statt Ende einer Ära“

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Helmut Wörner

Der Ingenieur Helmut Wörner gründete im Jahr 1980 in einer Garage in Götzenhain das Unternehmen Controlware, das heute mit weltweit über 580 Mitarbeitern vom Standort Dietzenbach aus Lösungen und Service-Leistungen rund ums Netzwerk anbietet.

Der 69-jährige Wörner, der verheiratet ist und drei Kinder hat, gibt jetzt die Unternehmensführung ab. Unser Redakteur Achim Lederle sprach mit dem Controlware-Macher über das Unternehmen, seine Erfolge und Pläne.

Die Ära Helmut Wörner bei Controlware geht bald zu Ende. Wann ziehen Sie sich aus der Geschäftsführung zurück?

Der Zeitpunkt ist Ende des ersten Quartals, also in diesen Tagen. Meine Nachfolger sind Bernd Schwefing, derzeitiger Vertriebs-- und Marketing-Chef, der Vorsitzender der Geschäftsführung wird, sowie Hubert Potthoff, der für den kaufmännischen Bereich und das Personal zuständig ist. Beide sind seit vielen Jahren im Betrieb, weshalb ich eher von Kontinuität sprechen will als vom Ende einer Ära.

Sie sind die Personifizierung der Firma Controlware. Wie soll der Unternehmensgeist, den Sie eingeführt haben und der auf Vertrauen und sozialer Glaubwürdigkeit fußt, erhalten bleiben?

Mein Wahlspruch stammt bekanntlich von Robert Bosch und lautet „Es ist besser, Geld zu verlieren als Vertrauen“. Der Geist des Unternehmens wird von allen Mitarbeitern getragen. Aber wir sind hier keine Freizeitzentrum, auch wenn unser Gebäude etwas danach aussieht. Wir wollen Mitarbeiter so motivieren, dass sie bei ihrer Arbeit viel Spaß haben. Dann hat ein Unternehmen eine breite Basis. Wir bieten Dienstleistungen an. Wenn unsere Leute da nicht mitmachen, hat die Firma ein Problem. In der IT-Branche herrscht ein enormer Kostendruck: Wir sind nicht die Billigsten. Um sich gegenüber den ganz Großen behaupten zu können, müssen wir Qualität liefern. Das geht nur mit qualifizierten Mitarbeitern, die Freiraum haben, um kreativ zu sein. Wenn der da ist, machen Mitarbeiter viel daraus.

Gibt es bei Ihnen eine Stechuhr, oder dürfen ihre Kreativen auch nachts arbeiten, wenn sie möchten?

Wir hatten am Anfang ein Zeiterfassungssystem, was wir aber längst abgeschafft haben. Eine Arbeitszeiterfassung ist bürokratisch und motivationshemmend. Gleichwohl müssen die Mitarbeiter die Aufgaben für ihre Kunden in einer bestimmten Zeit mit einer bestimmten Qualität erledigen, was gegenüber unseren Kunden auch abgerechnet werden muss. Das ist der Maßstab. Das kann auch nachts oder am Wochenende sein. Der Kunde steht im Mittelpunkt, nach ihm richten wir uns. Dazu gehört auch, dass wir unseren Mitarbeitern umfassende Freiräume für die technische Weiterbildung lassen. Nur so behalten wir dauerhaft die von unseren Kunden geforderte Leistungsfähigkeit.

Geht mit der personellen Neuausrichtung auch eine Umstrukturierung der Geschäftsbereiche einher?

Wir verändern uns kontinuierlich und passen uns den Anforderungen unserer Kunden an, was gut funktioniert. Vor 30 Jahren haben wir mit Modems angefangen. Dann haben wir den Bereich IT-Netzwerke aufgebaut, waren die ersten im Bereich Netzwerksicherheit und haben unser Angebot schrittweise bis zu kompletten Rechenzentren weitert. Wir haben immer dem Kunden angeboten, was er gewollt hat. Deshalb müssen wir nicht umstrukurieren. Das ist nur nötig, wenn wesentliche Teile der Firma in Winterschlaf gefallen sind. Das ist bei uns nicht der Fall. Ich habe volles Vertrauen in meine beiden Nachfolger und bleibe dem Unternehmen auch als Beiratsvorsitzender weiter erhalten. Controlware ist ein privates Unternehmen. Die Anteilseigner wollen natürlich weiter mitbestimmen, wie sich die Firma entwickelt.

Wie sehen Sie das Unternehmen Controlware derzeit auf dem IT-Markt positioniert? Wie verlief das Geschäft im Jahr 2010 und was erwarten Sie für 2011?

Controlware ist gut auf dem Markt positioniert und wächst in Europa stetig. 2010 hat sich der Markt in Deutschland besser entwickelt als im Rest Europas. Der englische Markt ist zum Beispiel eingebrochen, weil die Kommunen kein Geld mehr hatten für Videoüberwachung. Insgesamt hat das Auslandsgeschäft, das einen Anteil von zehn Prozent hat, die guten Deutschland-Ergebnisse aufgefressen. Heraus kam eine „rote Null“. Das Jahr 2011 scheint ganz gut zu werden. Im den ersten Wochen verzeichneten wir einen zweistelligen Umsatzzuwachs. Schwierig ist jedoch wegen des starken Wettbewerbs, den Ertrag hochzufahren. Das gelingt nur ganz langsam. Die IT-Branche ist gut unterwegs, sie verdient nur kein Geld.

Welches sind Ihre wichtigsten Projekte in diesem Jahr?

Für einen großen Autohersteller rüsten wir die gesamte IT-Infrastruktur um. Ein weiteres Projekt, das noch am Anfang steht und langfristig angelegt ist, betrifft die Absicherung von Firmenservern eines großen Einzelhändlers gegen Hacker. Für ein Dax-Unternehmen managen wir das gesamte IT-Netz von unserem Kontrollzentrum, dem Customer Service Center (CSC)), aus. Sicherheit ist ein großes Thema und für uns inzwischen der zentrale Geschäftszweig. Wir haben auch in diesem Jahr keine Zeit, uns auf die faule Haut zu legen.

Wie wollen Sie in Zukunft der Wirtschaft in Dietzenbach und dem Kreis Offenbach verbunden bleiben?

Ich war immer möglichst staatsfern tätig. Ich bin weder politisch engagiert noch Mitglied in einem Verein und habe auch nicht vor, dies als Ruheständler zu ändern. Mehr am Herzen liegt mit die Duale Studiensystem an der Universität Darmstadt, wo ich mich weiter einbringen werde. Die enge Verzahnung von beruflicher oder betrieblicher Praxis mit einem Hochschulstudium wurde von Controlware im Jahr 1999 mit dem Studiengang KoSI (Kooperativer Bachelor-Studiengang Informatik) eingeführt. Ich musste damals einiges an Überzeugungsarbeit leisten, heute ist das duale Studium in Hessen der Standard. Zur Zeit sind rund 35 Darmstädter Studenten bei uns im Unternehmen.

Was planen Sie persönlich nach dem Ausstieg?

Mein Beruf war mein Hobby. Als Beiratsvorsitzender habe ich weiter einiges mit Controlware zu tun. Zudem werde ich mein weiteres Hobby ausbauen, nämlich die Unterstützung von Studenten und jungen Unternehmen.

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