Kunden werden zur Kasse gebeten

Wird die Plastiktüte bald zum Luxusartikel?

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Plastiktüten sollen teurer werden.

Berlin - Um die Umwelt zu entlasten, soll der Griff zur Plastiktüte bald mehr zu Buche schlagen. Das Ziel: An der Supermarktkasse sollen Einmal-Verpackungen zur Ausnahme werden.

Der Handelsverband (HDE) und das Bundesumweltministerium beraten derzeit über eine freiwillige Vereinbarung für den Handel, wie der HDE am Freitag in Berlin erklärte. Durch die Initiative soll eine gesetzliche Regelung vermieden werden. Wie tief Kunden künftig in die Tasche greifen müssen, will der HDE aber nicht festlegen.

Ein Entwurf des HDE für das Bundesumweltministerium sehe einen "angemessenen Beitrag" für Plastiktüten vor, den jedes Unternehmen individuell festlegen könne, erklärte ein Verbandssprecher. Eine "einheitliche Gebühr in Höhe von 20 Cent" solle es nicht geben. Die "Süddeutsche Zeitung" hatte zuvor berichtet, dass voraussichtlich mindestens 20 Cent pro Tüte an der Supermarktkasse fällig würden.

Hintergrund der Initiative des HDE ist eine EU-Richtlinie zum Verbrauch von Plastiktüten. Danach sind die Mitgliedsstaaten verpflichtet, den Verbrauch ab 2020 auf 90 Tüten pro Einwohner und Jahr zu verringern, ab 2026 auf 40 Stück. Im EU-Vergleich liegt Deutschland mit einem Verbrauch von 71 Plastiktüten pro Kopf und Jahr deutlich unter dem Durchschnittsverbrauch von 198 Stück und erfüllt die Vorgabe für 2020 schon heute.

Rolf Buschmann von der Umweltschutzorganisation BUND forderte eine Abgabe auf alle Einwegtaschen - unabhängig davon, aus welchem Material sie gemacht sind. Taschen für den Einmalgebrauch aus Plastik oder Papier müssten "zur Notlösung" werden, Einkaufskörbe oder Stofftaschen gefördert werden.

Ähnlich sieht es auch Katharina Istel, Referentin beim Naturschutzbund Nabu. Grundsätzlich befürworte sie den Vorstoß des HDE, sagte Istel, es sei aber wichtig, dass alle Einweg-Tragesysteme mit Abgaben belegt würden. Papiertüten etwa hätten eine schlechtere Umweltbilanz als Plastiktüten. Sie hätten nur den Vorteil, dass sie besser abgebaut würden, wenn sie in die Umwelt gelangten.

Um eine Wirkung auf die Verbraucher zu haben, müsste der Preis pro Einwegtasche im Supermarkt wohl bei "mindestens 50 Cent" liegen, erläuterte Istel. Auch Buschmann spricht sich dafür aus, dass der Preis "so hoch wie möglich" angesetzt werde. Die zehn bis 20 Cent, die Verbraucher schon heute im Supermarkt für Tüten zahlten, sind demnach zu wenig, um den Verbrauch deutlich zu reduzieren.

Der Nabu fordert Politik und Handel außerdem auf, über Plastikverpackungen grundsätzlich zu reden. Denn Plastiktüten würden in Deutschland "nur drei Prozent des Plastikmülls" insgesamt ausmachen, sagte Istel.

In England, wo seit Anfang Oktober in Supermärkten fünf Pence pro Plastiktüte (etwa sieben Cent) fällig werden, muss der Handel vier Pence pro Tüte an Wohltätigkeitsorganisationen abgeben, der verbliebene Penny kommt in die Staatskasse. Der Nabu fordert für Deutschland ein ähnliches System, damit die Gewinne aus dem Verkauf der Tüten nicht beim Handel bleiben.

Plastikmüll in arktischen Gewässern alarmiert Forscher

Auf der Meeresoberfläche treibender Plastikmüll ist Forschern des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (AWI) zufolge bereits bis in die Arktis vorgedrungen. Das berichtete das Institut am Donnerstag. Die bei einer Fahrt des Forschungseisbrechers "Polarstern" bereits 2012 in der sogenannten Framstraße gemachte Beobachtung sei nun erstmals in einer Studie dokumentiert worden.

Woher das Treibgut stammt, ist nach Angaben der Experten noch unklar. Möglich sei, dass er aus einem neuen großen Müllstrudel stammt, der sich Computermodellen zufolge seit einigen Jahren in der Barentssee vor Norwegen und Russland bilde. "Es ist denkbar, dass ein Teil dieses Abfalls dann weiter nach Norden und Nordwesten bis in die Framstraße treibt", erklärte AWI-Biologin Melanie Bergmann. Er könnte aber auch von Fischtrawlern stammen, die der zurückweichenden arktischen Meereisdecke folgen.

AFP

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