Erste Altverträge abgewickelt

Lebensversicherer zunehmend nervös

OFFENBACH - Niedrige Zinsen und Garantieversprechen machen den Lebensversicherern zunehmend zu schaffen. Mit ihrem Geschäftsmodell lässt sich kein Staat mehr machen.

Einige Unternehmen, so die Victoria Leben oder die Bayerische Beamten Lebensversicherung, legen bereits Altverträge still und wickeln sie ab. Jetzt erwägen offenbar die Sparkassen einen Schritt in diese Richtung.

Nach Informationen des aktuellen „manager magazins“ fordert ein der Redaktion vorliegendes internes Papier der Sparkassenverbandsspitzen die Versicherungstöchter auf, eine „Fokussierung des Neugeschäfts in der Lebensversicherung auf einen gemeinsamen Träger“ und eine „Verwaltung der Altbestände im Rahmen eines Run-Off“ zu prüfen. Am Ende könnten die Lebensversicherer der elf Sparkassenversicherungsgruppen zu mehreren größeren Gesellschaften fusioniert oder vollständig abgewickelt werden.

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Der Veröffentlichung folgte das Dementi auf dem Fuß. „Die Aussagen im ,manager magazin’ spiegeln in keiner Weise den Stand der Diskussion wider“, sagt Ulrich-Bernd Wolff von der Sahl, Vorsitzender des Verwaltungsrats des Verbands öffentlicher Versicherer. „Es gibt für die öffentlichen Versicherer keinen Grund, ernsthaft über die Option eines Run-Offs ihrer Lebensversicherer nachzudenken“, so die Aussage des Verbandsvorsitzenden. Auch Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) stellt klar: „Sparkassen und öffentliche Versicherer planen keinen Ausstieg aus dem Lebensversicherungsgeschäft. Für die Absicherung der biometrischen Risiken wie Tod oder Berufsunfähigkeit sowie in der privaten und betrieblichen Altersvorsorge wird es weiterhin einen großen Bedarf geben, den wir in hoher Qualität bedienen werden.“

Beide Aussagen passen aber so gar nicht zu weiteren Zitaten aus dem Papier. Das „gemeinsame Verständnis zu den Handlungsmöglichkeiten der öffentlich-rechtlichen Versicherer“ hatten die sogenannten Verbandsvorsteher der Sparkassengruppe bereits am 4. Februar dieses Jahres in Berlin beschlossen. „Ein Weiter-so“, heißt es in dem Papier, könne es bei den Versicherern „angesichts der großen Herausforderungen nicht geben“.

Wofür die Deutschen ihr Geld ausgeben

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Mit Wolff von der Sahls Stellungnahme lässt sich dies nicht in Einklang bringen: Auch dem schwierigen Finanzmarktumfeld und dem vorbeugenden Aufbau einer Zinszusatzreserve seien die öffentlichen Lebensversicherer gewachsen. Von einer Notlage könne keine Rede sein. Nervös scheint die Sparkassengruppe aber schon zu sein. Schließlich geht es um einen gigantischen Markt. So kommen die Versicherer der Sparkassen, zu denen unter anderem die Versicherungskammer Bayern und die beiden Provinzial-Konzerne Nordwest und Rheinland gehören, auf 18 Milliarden Euro Prämieneinnahmen. Sie sind damit nach der Allianz die Nummer zwei auf dem Markt.

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fp

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