Interview mit Verbraucherschützer

In letzter Minute Steuern sparen

Markus Deutsch vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine

Offenbach - Jahresendzeit ist Steuersparzeit. Mit nur wenigen Maßnahmen können Steuerpflichtige in den letzten Wochen bis Silvester bares Geld verdienen. Markus Deutsch, Leiter Steuern und Medien beim Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine in Berlin, hat Tipps parat.

Was können denn Arbeitnehmer noch kurz vor Jahresende tun, um ihre Einkommensteuer zu mindern?

Steuerpflichtige können kurzfristig ihre Lohnsteuerklasse wechseln. Das ist noch bis zum 30. November möglich. Profitieren können so unter anderem Ehepaare mit unterschiedlich hohem Einkommen. Ebenso können Arbeitnehmer noch „last minute“ Freibeträge für Werbungskosten eintragen lassen, zum Beispiel für Fahrten zur Arbeitsstätte oder Fortbildungskosten. Das spart ebenfalls sofort Steuern.

Für wen - außer Ehegatten und Lebenspartner - kann ein Steuerklassenwechsel noch lohnen?

Für Alleinerziehende gibt es die Steuerklasse II. Hier mindert sich die Lohnsteuer gleich um den Entlastungsbetrag. Wer die „II“ noch nicht eingetragen hat, sollte ebenfalls bis spätestens 30. November beim Finanzamt den Wechsel beantragen.

Die optimierte, also niedrigere Lohnsteuer hat doch auch Konsequenzen für Lohnersatzleistungen?

Richtig. Ein Beispiel: Vorteile hat auch, wer vor Jahresende eine günstigere Steuerklasse wählt, wenn Arbeitslosigkeit droht. Die Bezüge werden dann mit der am 1. Januar 2014 geltenden Steuerklasse berechnet. Das Arbeitslosengeld ist damit höher.

Auch der „Steuerbonus“ in Privathaushalten ist doch immer ein großes Thema!

Das stimmt - und bei Handwerkerleistungen tun sich außerdem „neue Horizonte“ auf. Für haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen gelten jährliche Höchstgrenzen von 4000 bzw. 1200 Euro. Großer Vorteil: Die Beträge zieht das Finanzamt direkt von der zu zahlenden Einkommensteuer ab.

Es gelten also Höchstbeträge pro Jahr?

Genau - und deshalb bietet es sich noch vor Jahresfrist an, eine Firma für den großen Hausputz zu beauftragen, den Garten neu anlegen zu lassen oder im Haushalt Reparaturen ausführen zu lassen. Fällt der Rechnungsbetrag höher aus, sind auch Abschlagzahlungen möglich. Dann verteilt sich die Rechnungssumme steuergünstig auf zwei Jahre.

Und die von Ihnen angesprochene Neuheit?

Der Bundesfinanzhof (Az. VI R 61/10) hat in einem Urteil aus 2011 den Steuerbonus für Handwerksleistungen sogar für Neubauten und für Umbauten zugelassen. Früher funktionierte der Steuerabzug beispielsweise nur bei Renovierungen. Jetzt kann auch das Dach steuerbegünstigt ausgebaut oder die Terrasse erweitert werden. Bedingung ist nur, dass der Steuerpflichtige im Objekt seinen Haushalt führt.

Auch weitere private Kosten kann ich ja teilweise – zum Beispiel als außergewöhnliche Belastungen - von der Steuer absetzen. Was muss ich speziell zum Jahresende beachten?

Für den Abzug von allgemeinen außergewöhnlichen Belastungen gilt stets eine wichtige Regel. Die Aufwendungen sollten möglichst zusammengeballt - also in einem Jahr - geltend gemacht werden. Grund ist hier der jährlich nicht abziehbare Eigenbehalt. Wer unter dem Eigenbehalt bleibt, kann seine Kosten nicht absetzen. Das heißt also: Mussten Steuerzahler zum Beispiel 2013 bereits höhere Rechnungen zahlen, zum Beispiel für den Zahnarzt, kann der Kauf der ohnehin notwendigen Brille noch in diesem Jahr lohnen. Umgekehrt sollten außergewöhnliche Belastungen ins kommende Jahr verschoben werden, wenn im Jahr 2014 weitere hohe Rechnungen anfallen.

Was gibt es daneben für den Sparer zu beachten?

Sparer können sich jetzt noch jahresbezogene Prämien sichern. So erhalten Riester-Sparer pro Jahr eine Grundzulage von 154 Euro vom Staat. Hinzu kommt für Eltern eine weitere Zulage von 185 oder 300 Euro jährlich und pro Kind. Zulageberechtigte, die Anfang 2013 noch nicht das 25. Lebensjahr vollendet hatten, erhalten einmalig einen Berufseinsteiger-Bonus von 200 Euro obendrauf. Wer sich die Zulagen für 2013 sichern will, muss allerdings noch dieses Jahr den Vertrag abschließen - und den einkommensabhängigen Mindestbeitrag leisten.

al

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