Studie: Krise endet innerhalb der nächsten 18 Monate.

„Licht am Ende des Tunnels“

Frankfurt ‐ Der sich abzeichnende Aufschwung in der deutschen Wirtschaft wird einer Studie zufolge nicht durch eine allgemeine Kreditklemme als Folge der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise erschwert. Von Marc Kuhn

Eine Mehrheit der befragten Banken und Unternehmen erwartet demnach innerhalb nächsten 18 Monaten ein Ende der Finanz- und Wirtschaftskrise. „Licht am Ende des Tunnels ist in Sicht“, sagte Ana-Cristina Grohnert von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young gestern bei der Vorstellung der Befragung „Wer finanziert den Aufschwung?“ in Frankfurt. Die Talsohle sei erreicht. Die Banken müssten Lehren aus der Krise ziehen, erklärte Joachim Spill von Ernst & Young. Eine Konsequenz seien erhöhte Anforderungen bei der Kreditvergabe. Damit sei teilweise die Zurückhaltung der Institute zu erklären.

Mit einer flächendeckenden Kreditklemme rechnen nur knapp ein Fünftel der Firmen und vier Prozent der Geldinstitute, wie es in der Studie heißt. Allerdings dürfte die Entwicklung in den Branchen recht unterschiedlich sein. 34 Prozent der Unternehmen erwarten eine Kreditklemme in der Automobilindustrie und 32 Prozent im verarbeitenden Gewerbe. Die Banken sind optimistischer. 15 Prozent rechnen mit Problemen bei der Kreditversorgung von Autoproduzenten und 13 Prozent sehen Schwierigkeiten für die verarbeitende Industrie voraus.

Dennoch scheint bei den Unternehmen die Bereitschaft zu Investitionen vorhanden zu sein. Ein Drittel der befragten Firmen plant in den nächsten zwölf Monaten eine leichte Erhöhung der Ausgaben. Die Mehrheit von ihnen will die Investitionen zumindest stabil halten. Folglich kommt auf die Geldhäuser eine verstärkte Nachfrage nach Krediten zu.

Allerdings wollen nur 40 Prozent von ihnen die Neukreditvergabe in den nächsten zwölf Monaten steigern. Die Unternehmen würden diese Einschätzung teilen, erläuterte Grohnert. Kurzfristig will die Mehrheit der Banken die Kreditvergabe unverändert lassen oder gar reduzieren. Erst in 18 Monaten rechne die Hälfte der Institute mit einer steigenden Gewährung von Krediten.

Nach Ansicht der Firmen ist das veränderte Risikobewusstsein der Banken der Hauptgrund für die Zurückhaltung bei der Kreditvergabe. 68 Prozent der Befragten gaben dies bei der Studie an. 60 Prozent der Banken wiederum sehen die geänderte Bonität der Unternehmen als wesentliche Ursache für diese Entwicklung. Auch 53 Prozent der Firmen gaben das an. Zudem erwartet eine Mehrheit von ihnen kürzere Laufzeiten, höhere Sicherheitsanforderungen und steigende Nebenkosten sowie Kündigungen von Krediten.

Bei der Verlängerung auslaufender Kredite befürchtet die Mehrheit der Firmen ebenfalls Probleme. 66 Prozent gaben an, dass sie mit Schwierigkeiten rechnen. 55 Prozent der Banken gehen von keinen Veränderungen aus.

Trotz der absehbaren Probleme setzen die Unternehmen weiter auf die Banken, wie Grohnert berichtete. Als ein alternatives Finanzierungsinstrument bezeichneten 68 Prozent der befragten Firmen das Leasing. Jedes vierte Unternehmen wolle das Factoring nutzen - die Abtretung von Forderungen an einen Finanzdienstleister, der umgehend zahlt, dafür aber einen Abschlag verlangt.

Um den Zugriff auf den Kapitalmarkt zu verbessern, wollen die Unternehmen vor allem ihre Planungen, Kontrollen und das Liquiditätsmanagement verbessern sowie die Eigenkapitalquote erhöhen. Nur sechs Prozent der Firmen gaben bei der Studie an, ihre Bank wechseln zu wollen.

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