Thomas Picard kämpft gegen EU-Pläne

„Made in Germany in Gefahr“

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Bei der Firma Picard in Obertshausen werden Taschen produziert. Der Lederwaren-Spezialist lässt aber auch im Ausland Waren herstellen. Geschäftsführer Thomas Picard lehnt die EU-Pläne für das Label „Made in Germany“ ab.

Obertshausen - Die EU-Kommission sorgt mit ihren Plänen für das Label „Made in Germany“ für Unmut. Nicht nur der Unternehmer Thomas Picard und die IHK Offenbach lehnen sie ab. Von Marc Kuhn

„Made in Germany“ ist seit Jahrzehnten eine Garantie für deutsche Qualität. Die Herkunftsbezeichnung ist indes nicht geschützt. Die EU-Kommission hat die Industrie mit einem Verordnungsentwurf auf die Barrikaden gebracht, der eigentlich den Verbraucherschutz stärken und für Klarheit sorgen soll. Eine verpflichtende Ursprungsbezeichnung soll eingeführt werden, die das freiwillige Label ablöst. Den Plänen haben kürzlich die Bundesminister Ilse Aigner und Philipp Rösler mit einem Brief an die Kommission eine Absage erteilt.

Seit Monaten kämpft auch der Obertshausener Lederwaren-Hersteller Thomas Picard dagegen. Er weiß nach eigenen Angaben den Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und die Industrie- und Handelskammern (IHK) hinter sich. Würden die Änderungen umgesetzt, „ist künftig nicht mehr sichergestellt, dass der Verbraucher auch das bekommt, was er bisher mit ,Made in Germany’ verbindet: Qualität, Technik, Design und eine Verarbeitung auf höchstem Niveau“, erklärte DIHK-Präsident Eric Schweitzer.

Information der Herkunft reiche nicht

„Wir lehnen den Vorschlag der EU-Kommission zu verpflichtenden Herkunftsbezeichnung ab“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Offenbacher IHK, Markus Weinbrenner unserer Zeitung. „Ziel der Initiative ist, die Sicherheit der Verbraucher zu erhöhen. Mit der Angabe der Herkunft bekommt der Verbraucher jedoch keine Informationen, unter welchen Bedingungen die Produkte hergestellt wurden, ob diese gesundheitsschädlich oder sicher sind.“

Im Rahmen der internationalen Arbeitsteilung seien Wertschöpfungsketten von Produkten über mehrere Länder üblich. „Entscheidend für den Verbraucher ist, werden sicherheitsrelevante, soziale und Umweltstandards bei der Herstellung der Rohmaterialien und im weiteren Produktionsprozess eingehalten“, erklärte Weinbrenner weiter. „Made-in-Bezeichnungen helfen da nicht weiter. Wir treten für eine freiwillige Zertifizierung der Produkte und Unternehmen ein.“

Produktqualität für Verbraucher entscheidend

Die EU-Pläne werden auch vom Bundesverband der Schuh- und Lederindustrie (HDSL) sowie vom Bundesverband des Deutschen Lederwareneinzelhandels abgelehnt. „Wir setzen uns dafür ein, dass der Vorschlag so nicht umgesetzt wird“, sagte HDSL-Hauptgeschäftsführer Manfred Junkert. „Für den Verbraucher ist vor allem die Produktqualität entscheidend, außerdem auch die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards.“ Für beides stehe der Hersteller mit seinem Namen. „Die Angabe des Herkunftslandes sagt darüber nichts aus“, erklärte Junkert.

Geschäftsführer Thomas Picard.

„,Made in Germany’ ist in Gefahr“, sagte der Unternehmer Picard im Gespräch mit unserer Zeitung. „Das Gesetz ist gut, bis auf den Paragrafen 7.“ Mit dem Gesetz sollten Produkte sicherer werden, „eine sinnvolle Geschichte“, erklärt Picard. Im besagten Paragrafen geht es um eine Kennzeichnungspflicht. Sie sei im November von der Kommission „abgeschmettert“ worden, berichtete Picard. Die Regelung sei „irreführend für Verbraucher“. Nun nehme die Kommission mit ihrem Gesetzentwurf wieder Bezug darauf.

Die Industrie fürchtet nach den Worten von Picard die Wertschöpfungs- und Listenregelung. So solle der Name des Landes in dem Label auftauchen, in dem die „letzte, wirtschaftlich gerechtfertige Be- und Verarbeitung“ des Produkts stattgefunden habe, erläutert Picard. Maßstab ist die Wertschöpfung. Neu an dem EU-Vorstoß sei, dass sie in Prozenten gemessen werden soll, sagte Picard. Die genaue Aufteilung sei noch nicht bekannt.

"Made in Italy" statt "Made in Germany"

„Da fischen wir im Trüben.“ Picard verdeutlicht die Sorgen aber an seiner Branche. Das Produkt solle dem Land zugeordnet werden, in dem die höchste Wertschöpfung stattfindet. Teures, in Italien verarbeitetes Leder könnte wertvoller sein als die Arbeit des Feintäschners in Deutschland. Dann stünde „Made in Italy“ auf der Tasche von Picard, erklärte der Geschäftsführer.

Zudem wolle sich die EU-Kommission an der WTO-Listen-Regelung orientieren. Danach bekommt ein Produkt oder Vorprodukt eine andere Zollnummer, wenn es die Grenze überquert - die Rede ist vom Listensprung. Der Name des Landes, der mit der letzten Nummer verbunden ist, soll künftig Kriterium für das Label sein. Bei Damentaschen gebe es beispielsweise keinen Listensprung, berichtet Picard. Dann könne „Made in Tunesien“ statt „Made in Germany“ auf der Tasche stehen.

Picard befürchtet bei einer Neuregelung nicht nur Nachteile für deutsche Unternehmen, sondern auch für Partner zum Beispiel in China oder Bangladesch. Schließlich gehe der Absatz zurück, wenn nicht mehr das deutsche Qualitätssiegel auf den Produkten stehe. Picard hält die Änderungen bei der Kennzeichnung auch deshalb für überflüssig, weil der Lieferant ohnehin ein Ursprungszeugnis bereit halten müsse. Damit lasse sich der Weg des Produkts nachvollziehen, sagte der Unternehmer.

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