Lufthansa vor Streik

Maßlose Eskalation

Fliegen Sie mit der Lufthansa? Nein? Diese Antwort ist immer häufiger zu hören. Damit sind wir beim Knackpunkt des drohenden Pilotenstreiks. Die Premium-Luftlinie kann ihr Geld nicht mehr ungestört im oberen Preissegment verdienen, seit die Billigkonkurrenz punktet – erst recht in der Wirtschaftskrise. Die Kranichlinie reagiert mit der Verlagerung von Jobs zu günstigeren Konzerntöchtern im Ausland. Von Johannes Dröge

Legitim ist es von den deutschen Piloten, Stellen im Inland retten zu wollen. Warum aber im langen Tarifkonflikt nicht ansatzweise Kompromisse erkennbar wurden, ist ein ärgerliches Rätsel. Dass sich die Akteure in Gewerkschaft und Management spinnefeind sein sollen, rechtfertigt niemals, aus dem Stand den größten Arbeitskampf der deutschen Luftfahrtgeschichte vom Zaun zu brechen.

Privilegierte Arbeitnehmer wie die Lufthansa-Piloten müssen ihr Streikrecht mit ihren beachtlichen Einkommen abwägen – bis zu 250 000 Euro im Jahr, weltweit Spitze. Wer so verdient, zerschlägt mit maßloser Eskalation das dünne Porzellan des öffentlichen Verständnisses. Doch das Flug-Chaos der nächsten Tage wird die Lufthansa wohl in die Knie zwingen. Eine kleine Elite paukt ihren Willen durch – zum Schaden des Konzerns, auf dem Rücken der Kunden.

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