Mehr Handwerksbetriebe in Hessen

Wiesbaden (dpa/ku) - Die Zahl der Handwerksbetriebe in Hessen ist im vergangenen Jahr deutlich auf fast 74.000 gestiegen.

Das ist vor allem auf die Neugründung zahlreicher Ein-Mann-Betriebe osteuropäischer Herkunft in den Ballungsräumen zurückzuführen, wie die Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern gestern in Wiesbaden berichtete. In Offenbach sei die Entwicklung ähnlich, sagte der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Helmut Geyer, unserer Zeitung.

Der Zuwachs von 2,9 Prozent entstand vor allem im zulassungsfreien Handwerk und im handwerksähnlichen Gewerbe in Hessen, wo nicht zwingend ein Meisterbrief zur Führung einer Firma verlangt wird. In Offenbach sei die Prozentzahl noch höher, erklärte Geyer. Dagegen sank die Zahl der meistergeführten Betriebe in Hessen leicht auf 41 380, wie die Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern (Arge) in Wiesbaden mitteilte. Jeder dritte Betriebsgründer bei den zulassungsfreien Handwerken stammte aus den neuen EU-Mitgliedsländern wie Polen oder Tschechien, berichtete Arge-Geschäftsführer Harald Brandes. Nach Angaben des Verbandes konzentrieren sich die Neugründungen auf die Berufe Fliesenleger (plus 912 Betriebe in 2011), Gebäudereiniger (plus 615) und Raumausstatter (plus 955).

Viele der Neugründungen sind Ein-Mann-Betriebe

Viele der Neugründungen sind nach Auskunft der Handwerkskammer Ein-Mann-Betriebe, sie dürfen nicht ausbilden. Es bestünden auch Zweifel, ob sich die formell selbstständigen Firmen immer auf ihre Gewerke beschränkten oder nicht auch abhängig andere Tätigkeiten ausübten, sagte Arge-Sprecher Dirk Kornau.

Brandes sprach von einem „Süd-Nord-Gefälle“: Im Bereich der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main lag der Zuwachs bei vier Prozent, bei der Handwerkskammer Kassel bei 1,4 Prozent.

Die Handwerksordnung war 2004 geändert worden, dabei entfiel die Meisterpflicht für viele Handwerke. Danach sei der Erwerb von Meisterbriefen zurückgegangen. Mittlerweile verzeichneten die Kammern wieder größeres Interesse am Meistertitel, weil er gegenüber dem Kunden ein Gütesiegel bedeute, sagte ein Sprecher.

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