Mehr Sicherheit in IT-Systemen

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Thomas Gertler (links) und Jürgen Bähr haben 2005 die Firma G+H Netzwerk Design in Offenbach gegründet.

Offenbach - Hätte das amerikanische Verteidigungsministerium Hightech-Hilfe aus Offenbach gehabt, wären ihm im vergangenen Jahr wohl die peinlichen Veröffentlichungen von Wikileaks beispielsweise über den Afghanistankrieg erspart geblieben. Von Marc Kuhn

Ein US-Soldat war damals über seinen Dienstrechner an hunderttausende sensible Daten gekommen und hatte sie an die Internet-Rebellen weitergeleitet. Eine von der Offenbacher Firma G+H Netzwerk Design entwickelte Software, nach Angaben des Unternehmens in Deutschland einzigartig, soll solche unberechtigten Zugriffe auf Daten aufdecken verhindern. „Daccord würde das mitbekommen“, sagt Geschäftsführer Jürgen Bähr unserer Zeitung. Er verspricht Transparenz und Sicherheit bei Zugriffsrechten in Computersystemen für große, mittlere und kleine Firmen. Etwa 70 Kunden zählt G+H, zu ihnen gehört das Statistische Bundesamt, der Deutsche Wetterdienst und die Bilfinger Berger Facility Services GmbH. Mit ihren 20 Mitarbeitern erwirtschaftet die IT-Schmiede im Jahr einen Umsatz in Höhe von rund 3,5 Millionen Euro. Von der neuen Software verspricht sie sich einen Umsatzschub.

„Wir sind ein Systemintegrator“, erklärt Bähr. G+H sei ein Partner des US-Unternehmens Novell, ergänzt Thomas Gertler, der ebenfalls Geschäftsführer in der Firma ist. Beide gründeten das Unternehmen 2005 in Offenbach. Webseiten und Portale werden gebaut, IT-Infrastruktur wird angeboten, zudem beschäftigen sich die Offenbacher mit dem Management von Identitäten und Zugriffsrechten in Computersystemen von Unternehmen.

Das Knowhow aus diesen Bereichen sei in die neue Software Daccord eingeflossen, berichtet Bähr. „Wir sind richtig auf die Produktseite gegangen“, erläutert Gertler. Ein Jahr wurde mit mehreren Entwicklern an dem Produkt gearbeitet. Anfang 2011 kam es auf den Markt. Gertler spricht von einer „sehr, sehr guten Resonanz“.

Daccord sammelt Informationen über Benutzerrechte

Entwickelt wurde die Software auf Wunsch eines internationalen Finanzdienstleisters. Daccord sammele Informationen über Benutzerrechte aus zahlreichen Datenbanken, die in einer Firma angesiedelt seien, sagt Bähr. Der Bestand werde analysiert. So werde festgestellt, welcher Mitarbeiter Zugang zu welchen Informationen habe. Oft hätten Angestellte nach dem Ausscheiden aus einem Unternehmen oder dem Wechsel in andere Abteilungen noch alte Zugriffsrechte - ein Sicherheitsrisiko ersten Ranges, meint Gertler. „Das ist ein Riesenthema“, erklärt auch Bähr. Vor allem bei Unternehmen mit vielen Mitarbeitern gebe es Probleme. Die manuelle Überprüfung dieser Rechte sei nicht nur für Konzerne sehr aufwendig. Und Revisionen würden die Vergabe von Zugriffsrechten nur stichprobenartig überprüfen, sagt Gertler.

Zudem benachrichtigt Daccord die Verantwortlichen in einer Firma über Rechtekonstellationen, die nicht zulässig sind. Die Software sorge nicht nur für mehr Transparenz und Sicherheit, betont Gertler. Sie bringe auch finanzielle Vorteile. Schließlich falle auf, wenn nicht mehr benötigte Lizenzen vergeben seien.

Die Chefs von G+H sind zuversichtlich, mit Daccord neue Kunden gewinnen zu können. Bereits in diesem Jahr werde die IT-Firma einen Umsatz in Höhe von rund vier Millionen Euro erzielen, berichtet Bähr. Die Erlöse könnten sich mit den neuen Software verdoppeln oder gar verdreifachen, erwartet Gertler.

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