Einschnitte beim Pharma- und Chemiekonzern

Merck streicht jede zehnte deutsche Stelle

Darmstadt - Schmerzhafte Einschnitte beim Pharma- und Chemiekonzern Merck: Das Traditionsunternehmen will bis Ende 2015 rund 1100 der 10.900 Arbeitsplätze hierzulande streichen, wie Merck gestern anlässlich einer Betriebsversammlung am Firmensitz in Darmstadt mitteilte.

Allein dort sollen nach Gewerkschaftsangaben 750 Stellen abgebaut werden. Auf betriebsbedingte Kündigungen will der Konzern bis Ende 2017 weitgehend verzichten. Merck will den Abbau hauptsächlich über Freiwilligen- und Altersteilzeit erreichen. Zugleich will das Unternehmen kräftig in Deutschland investieren.

Merck-Chef Karl-Ludwig Kley will den Dax-Konzern nach Rückschlägen in der Pharmasparte und angesichts des harten Wettbewerbs im Geschäft mit Flüssigkristallen auf mehr Effizienz trimmen. In der Pharmasparte laufen Patente auf wichtige Umsatzbringer in naher Zukunft aus, und die Pipeline ist nach mehreren Rückschlägen nicht sonderlich prall gefüllt. Im Frühjahr hatte das Familienunternehmen, das 2018 stolze 350 Jahre alt wird, daher das Spar- und Umbauprogramm „Fit für 2018“ vorgestellt und in Genf die Schließung der Zentrale seiner Tochter Serono angekündigt. Jetzt einigte sich das Unternehmen, das Ende Juni 40.085 weltweit Mitarbeiter beschäftigte, mit dem Betriebsrat auf Details für Deutschland. Die Vereinbarung umfasst mehr als 100 einzelne Maßnahmen.

Betriebsbedingte Kündigungen sind nicht auszuschließen

Auch wenn Merck betriebsbedingte Kündigungen vermeiden will, ganz ausschließen kann der Konzern sie nicht. In Lehrte in Niedersachsen soll die Produktion von Industriesalzen eingestellt werden, im bayerischen Hohenbrunn die Abfüllaktivitäten. Betroffen sind insgesamt rund 140 Beschäftigte. Das Unternehmen suche aber nach Alternativen, zum Beispiel Investoren für die Standorte, sagte ein Merck-Sprecher.

Diskutiert wird auch, die Organik in Gernsheim zu schließen, noch gebe es aber keine Entscheidung. Die erwogene Verlagerung des Finanzdienstleisters Merck Shared Services Europe ins Ausland ist dagegen zumindest bis Ende 2015 vom Tisch.

Kosten will das Unternehmen ferner sparen, indem es die Vergütungsstrukturen verändert. Bei neuen Mitarbeitern könnten über- und außertarifliche Bestandteile des Gehalts entfallen, sagte der Merck-Sprecher.

Drastischere Maßnahmen sind verhindert worden

Trotz der Einschnitte reagierten Arbeitnehmervertreter und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) erleichtert. Noch drastischere Maßnahmen seien verhindert worden. „Für den Betriebsrat ist besonders wichtig, dass in Darmstadt und Gernsheim bis Ende 2017 auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet wird und dass wir Auslagerungen und Outsourcing weitgehend vermeiden konnten“, erklärte Betriebsratschef Heiner Wilhelm.

Die Ergebnisse zeigten, dass bei Merck weiterhin Vereinbarungen mit einem hohen Maß sozialer Absicherung und Beteiligung der Arbeitnehmer möglich seien, erklärte die IG BCE.

Die Einigung sei ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland, sagte das Mitglied der Geschäftsleitung, Kai Beckmann. Merck will in Darmstadt und an anderen deutschen Standorten in den nächsten beiden Jahren mindestens 250 Millionen Euro investieren.

dpa

Rubriklistenbild: © Uta Herbert/pixelio.de

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