Metaller halten bisher Personal

Offenbach ‐ Trotz der angespannten Situation haben die Metall- und Elektrounternehmen in Stadt und Kreis Offenbach in der schwersten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit bisher nur wenige Mitarbeiter entlassen. Die Beschäftigten seien gehalten worden, sagte der Vorsitzende der Bezirksgruppe Offenbach-Hanau von Hessenmetall, Wolfgang Huberti, unserer Zeitung. Von Marc Kuhn

Nur 294 Mitarbeiter sind entlassen worden, wie die Herbstumfrage des Verbands der Metall- und Elektrounternehmen in Hessen ergab. Im Moment sind mehr als 8.800 Menschen in der Branche beschäftigt. Allerdings ist nach Verbandsangaben ein weiterer Stellenabbau geplant. Bisher seien die Kurzarbeit und Mechanismen in den Tarifverträgen genutzt worden, um die Krise abzufedern, erklärte Hans-Joachim Jungbluth, Geschäftsführer des Verbands. Die Kurzarbeit laufe in vielen Firmen in der Region im Herbst 2010 aber aus. Wenn sich die Auftragslage nicht bessere, sei mit Entlassungen zu rechnen. Jungbluth betonte aber, die Unternehmen wollten auch vor dem Hintergrund des drohenden Facharbeitermangels ihre Mitarbeiter halten.

Mehr als 80 Prozent der Betriebe von Krise betroffen

Wir sind auf niedrigem Niveau. Es geht nicht weiter runter“, erläuterte Huberti die Lage der Betriebe in der Region. „Langsam muss es in die andere Richtung gehen, sonst wird es kritisch.“ Mehr als 80 Prozent der hiesigen Betriebe der Metall- und Elektroindustrie seien von der Krise betroffen.

Die allgemeine Geschäftslage wird von zwei Drittel der Unternehmen als schlecht bis sehr schlecht bezeichnet, wie die Umfrage des Verbands ergab. „Das sind Zahlen, die wir noch nie gesehen haben“, berichtete Jungbluth. Lediglich 22 Prozent der Befragten sprachen von einer befriedigenden Geschäftslage, elf Prozent von einer guten. Und auch in den nächsten sechs Monaten rechnen 66 Prozent der Firmen mit einer vergleichbaren Geschäftslage. 50 Prozent der Firmen erklärten, dass ihre Umsätze im Vergleich zum Frühjahr gefallen seien. 22 Prozent sprachen von vergleichbaren und 28 Prozent von gestiegenen Umsätzen. In den nächsten sechs Monaten erwarten 55 Prozent der befragten Betriebe eher gleich bleibende Umsätze. Mit fallenden Umsätzen rechnen 28 Prozent, 17 Prozent mit steigenden - „das ist nicht viel“, erklärte Hubertie. Bei 44 Prozent der Unternehmen sind die Erträge gegenüber dem Frühjahr gefallen. Und in den nächsten sechs Monaten erwarten 33 Prozent eher fallende Erträge.

72 Prozent erwarten unveränderte Ausgangslage

Die Auftragsbestände würden von Dreiviertel der Unternehmen als zu gering eingestuft, sagte Jungbluth. 17 Prozent bezeichneten sie als ausreichend, nur sechs Prozent als verhältnismäßig groß. Es gebe Firmen wie die Medizin- und Energietechnik, die die Krise nicht spürten, erklärte Huberti. In den nächsten sechs Monaten erwarten 72 Prozent der Unternehmen eine unveränderte Auftragslage, so die Herbstumfrage. „Das ist schon eine ziemlich schlimme Situation“, sagte Huberti. „Das sind alles Zahlen, die wir in dieser Form noch nicht erlebt haben“, fügte Jungbluth hinzu.

Die Investitionen sind seit dem Frühjahr bei 56 Prozent der Firmen auf einem vergleichbarem Niveau geblieben, bei 33 Prozent sind sie gefallen, wie die Umfrage ergab. 20 Prozent der Unternehmen investieren in die Qualifikation ihrer Mitarbeiter. Und 21 Prozent wollen das auch in den nächsten Monaten tun. 34 Prozent wollen Geld für Ersatzinvestitionen und 24 Prozent für Rationalisierungen ausgeben.

Für die weitere Entwicklung der Metall- und Elektrofirmen in der Region zeigte sich Jungbluth verhalten optimistisch. Ebenso wie Huberti wollte er aber keine Prognose wagen. „Dafür bräuchten wir eine Glaskugel“, sagte der Vorsitzende der Bezirkgruppe von Hessenmetall.

Rubriklistenbild: © Rainer Sturm / Pixelio

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