„Mieten steigen nur leicht an“

Frankfurt - Nach teils kräftigen Mieterhöhungen in der Vergangenheit werden die Kosten in Südhessen nach Einschätzung von Experten künftig nur leicht anziehen. Von Marc Kuhn

Es werde moderate Steigerungen geben, sagte Rudolf Ridinger, Vorstandssprecher des Verbands der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW), gestern in Frankfurt. Er erwartet, dass sich die Mieterhöhungen „ungefähr auf der Höhe der Inflation“ bewegen werden - bei etwa zwei Prozent.

Auch die Entwicklung in Offenbach werde „im südhessischen Schnitt“ liegen, erklärte Ridinger. In Hanau würden sich die Mieterhöhungen in den nächsten zwei bis drei Jahren wohl unter dem Offenbacher Niveau bewegen. „Dann wird es spannend.“ Der Verbandsvorsitzende verwies auf die geplanten Umgestaltungen in der Stadt. Deshalb müsse abgewartet werden, wie sich der „Innenstadt-Effekt auswirkt.“ Für Frankfurt rechnet der VdW mit Mietsteigerungen von 3 bis 3,5 Prozent wegen des „stärkeren Nachfragedrucks“. In dem Interessenverband sind mehr als 200 Unternehmen der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft aus Hessen und dem südlichen Rheinland-Pfalz zusammengeschlossen.

In der Zeit von 2009 bis 2010 seien die Mieten in Südhessen deutlich gestiegen, berichtete Ridinger unter Verweis auf eine Studie des Instituts Wohnen und Umwelt aus Darmstadt. Dies sei aber ein kurzfristiger Effekt gewesen. In den Jahren davor habe es kaum Steigerungen gegeben.

Modernisierungsdruck durch Altersstruktur

Im vergangenen Jahr hätten die Mieten vor allem bei Neubauten angezogen, erläuterte Ridinger. Sie seien um rund 27 Prozent gestiegen. Die Mieten bei sogenannten Bestandswohnungen hätten sich nur um sieben Prozent erhöht. Trotzdem liege das Mietniveau häufig „nicht höher als zur Jahrtausendwende“.

Zudem schwächt sich der Aufwärtstrend in den vergangenen Monaten bereits wieder etwas ab, erklärte der Verband. Ridinger sagte deshalb, dass Vermieter trotz der jüngsten Mietsteigerungen „nicht auf Rosen gebettet“ seien. Die Entwicklung der Durchschnittsmieten führt er unter anderem darauf zurück, dass Mieter immer länger in den Wohnungen bleiben und deshalb keine Steigerungen erzielt werden können. „Wir haben Beharrungstendenzen.“ Im Schnitt würden Mieter mittlerweile etwa zehn Jahre in einer Wohnung leben.

Ridinger beklagte eine Diskrepanz zwischen Mitentwicklung und Modernisierungsdruck. Das Mietniveau liege bei älteren Gebäuden im Durchschnitt rund 15 Prozent unter dem von neueren Wohnungen. Der Modernisierungsdruck ergebe sich aus der Altersstruktur der Gebäude, aus den Anforderungen an die energetische Qualität und aus dem steigenden Bedarf an barrierefreien Wohnungen.

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