Nachfolge in Firma sollte rechtzeitig geregelt werden

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Bernd Eckmann

Offenbach ‐ Die Übergabe einer Firma an den Nachfolger muss nach den Worten von Bernd Eckmann ein langfristig angelegter Prozess sein. Das sagte der Betriebsberater der Industrie- und Handelskammer Offenbach im Interview mit unserem Redaktionsmitglied Marc Kuhn.

Welches sind die häufigsten Fehler, die die Firmen machen?

Der Übergeber denkt zu spät an die Wahl oder Suche des Nachfolgers. Infolge dessen gibt es keine entsprechende Planung. Wir hatten in der Beratung schon Siebzigjährige, die dann doch langsam daran dachten, einen Nachfolger zu suchen. Bei einem mittelständischen Unternehmen sollte eine Übergabe ein langfristig geplanter und angelegter Prozess sein von drei bis fünf Jahren. Oft reduziert sich die Übergabe auf das Feilschen um den Verkaufspreis und man lässt unberücksichtigt, dass noch viele andere Faktoren eine wichtige Rolle spielen wie Arbeitsrecht, Steuerrecht, offene Posten, Außenstände gegenüber Lieferanten. Das bedeutet, ein Übernehmer übernimmt auch bestehende Verträge und Verbindlichkeiten. Er kann sich hier nicht auf Unkenntnis berufen. Eine genaue Prüfung der Bilanzen, betriebswirtschaftlichen Auswertungen und Verträge ist also unerlässlich.

Wie soll ein Unternehmer seinen Betrieb auf den Wechsel der Führung vorbereiten?

Eine gründliche Auseinandersetzung mit den weichen Faktoren einer Übernahme, sprich den psychologischen Faktoren, Ängsten, Befürchtungen, Gerüchten ist dringend nötig. Hier hilft vor allem eine offene Kommunikation auf allen Ebenen, zuerst der Führungsebene, aber auch gegenüber dem Betriebsrat und Mitarbeitern. Es gilt, Vertrauen zu schaffen. Der neue Chef sollte sich Zeit nehmen, seine Mitarbeiter kennen zu lernen, die Mitarbeiter über die Gründe der Übergabe zu informieren und die rechtlichen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen sowie Konsequenzen offen anzusprechen und transparent zu machen.

Welche rechtlichen Aspekte gilt es zu bedenken?

Die Haftung des neuen Unternehmensinhabers für Verbindlichkeiten des bestehenden Unternehmens. Bestehende Forderungen gehen auf den neuen Inhaber über. Die arbeitsrechtliche Situation bei der Übernahme der Mitarbeiter sollte im Vorfeld geprüft werden.

Sollte ein Steuerberater einbezogen werden?

In jedem Fall sollte eine Beratung und Unterstützung in Anspruch genommen werden, da jede Übergabe einen Einzelfall darstellt, der auch im Einzelfall zu prüfen ist und dessen Modalitäten individuell gestaltet werden. Es empfiehlt sich, im ersten Schritt eine vertiefende Orientierungsberatung bei der IHK in Anspruch zu nehmen, mit der man das Terrain in rechtlicher, steuerlicher und betrieblicher Hinsicht gründlich sondieren kann, um die relevanten Aspekte klarzustellen. Die IHK Offenbach bietet hierfür speziell das „Expertengespräch Unternehmensnachfolge“ an. Für die Ausarbeitung der Übergabe bedarf es eines Juristen und für die Berechnung des günstigsten Modells der Übergabegestaltung auch eines Steuerberaters.

Welche Rolle spielen die Banken?

Banken spielen eine wichtige Rolle, denn der Nachfolger startet in Regel als Gründer und muss die Übergabe finanzieren. Der Nachfolger benötigt einen überzeugenden Businessplan, in dem er begründet, wieso er das Unternehmen übernehmen möchte, und wie er es weiterführen will. Es empfiehlt sich ein Gespräch mit der Bank des Übergebers zu führen, weil diese das Unternehmen kennt. Für den Übergebenden gilt: Wenn schon der Prozess der Unternehmensnachfolge erhebliche Risiken birgt, so gilt das in noch höherem Maße, wenn dieser Prozess nicht rechtzeitig eingeleitet wird. Aus diesem Grund wird die Regelung der Unternehmensnachfolge als eine der qualitativen Faktoren im Rating-prozess der Banken zur Kreditvergabe berücksichtigt und wird zum Beispiel gemeinsam mit der Qualität des Risikomanagements bewertet.

Wo kann sich ein Firmenchef, der die Nachfolge in seinem Unternehmen regeln will, beraten lassen?

Auf jeden Fall bei der IHK, wenn es um Rechts- und Steuerfragen oder um Fördermöglichkeiten und Betriebsberatung geht - entweder auf dem Internetauftritt der Offenbacher IHK oder telefonisch unter 069/8207 141 bei mir und unter 069/8207 226 bei Holger Winkler.

Empfehlenswert ist auch das Unternehmensnachfolgeportal im Internet mit guten thematischen Erläuterungen und Fallbeispielen sowie der Nachfolgebörse für Gesuche und Angebote.

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