Neckermann setzt aufs Internet

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Vorstandschef Henning Koopmann

Frankfurt ‐ Im Gegensatz zu seinem Konkurrenten Quelle hat der angeschlagene Versandhändler Neckermann.de die Kehrtwende vor Augen und setzt für die Zukunft vor allem auf das Internet. Von Marc Kuhn

Wir haben die Talfahrt gestoppt“, sagte Vorstandschef Henning Koopmann gestern in Frankfurt. Sein Unternehmen wolle „ein echter Online-Anbieter werden“. Derzeit befinde es sich mitten in der Umstrukturierungsphase. Die Umsatzziele würden in diesem Jahr leicht übererfüllt, erklärte Koopmann weiter. 2009 werde Neckermann.de in Deutschland knapp 750 Millionen Euro umsetzen. Im vergangenen Jahr hatte der Umsatz noch bei 820 Millionen Euro gelegen. Sparmaßnahmen in Höhe von 42 Millionen Euro und die Konzentration auf profitable Umsätze hätten das Ergebnis 2009 in zweistelliger Millionenhöhe verbessert. Genaue Angaben zu den Verlusten wollte Koopmann nicht machen. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, erklärte Helmut Steurer, in der Geschäftsführung für Finanzen und Logistik zuständig. Im nächsten Jahr strebt Neckermann.de einen Umsatz in Höhe von 823 Millionen Euro an.

Bereits heute erwirtschafte Neckermann.de etwa 60 Prozent seiner Umsätze online, berichtete Koopmann. In diesem Jahr werde dieser Unternehmensbereich um rund elf Prozent wachsen, erläuterte Marketing-Geschäftsführer Ulf Cronenberg. Jeden Tag kämen etwa 4 000 Kunden hinzu, erklärte Koopmann. Und: „Wir verdienen Geld im E-Commerce“, sagte Cronenberg. Er hält deutliche Zuwächse in diesem Bereich für möglich. Mit einem Marktanteil von 2,8 Prozent ist Neckermann.de der viertgrößte Onlinehändler in Deutschland nach Amazon, Otto und Quelle.

Neckermann.de wird rund 83 Millionen in IT investieren

Die Geschäfte über das Internet werden in den nächsten Jahren wachsen, während der Verkauf über die Kataloge abnehmen werde, erwartet Koopmann. Auch der US-Finanzinvestor Sun Capital, der im vergangenen Jahr 51 Prozent der Anteile an der ehemaligen Tochter des insolventen Arcandor-Konzerns übernommen hatte, sehe diese Chancen. Er habe Neckermann.de mit genügend Liquidität für die Neuausrichtung ausgestattet. In den nächsten Jahren werde Neckermann.de rund 83 Millionen Euro in die IT investiert, sagte Steurer.

Zwar werde E-Commerce in den Mittelpunkt des Handelns seiner Firma gestellt, betonte Koopmann. Dennoch wolle der Versandhändler auf absehbare Zeit auch den Katalog anbieten. Cronenberg erklärte, Neckermann.de werde weiter zwei Zielgruppen ansprechen. Der Online-Einkäufer sei jung, kaufkräftig und meist männlich. Die Katalog-Kunden seien meist älter, hätten weniger Geld und seien häufig weiblich. Neckermann.de will ein Universalanbieter bleiben, der sich auf die Sortimente Möbel, Technik und Mode konzentriert.

Der Finanzinvestor Sun Capital hatte Neckermann.de in der Vergangenheit ein striktes Sparprogramm verordnet. Am Hauptsitz in Frankfurt waren etwa 450 Jobs weggefallen. Steurer sprach jetzt von „strukturellen Kostensenkungen“. So seien die Ausgaben für Werbung verringert worden. Die Zahl der Lager werde wohl reduziert. Und zum Jahresende soll der Vertriebsaußendienst mit rund 150 Mitarbeitern geschlossen werden. Zurzeit hat Neckermann.de in Deutschland rund 2 650 Angestellte, etwa 2 330 davon arbeiten in Frankfurt.

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