Kippen, sehen und fühlen wichtig

Neuer 20-Euro-Schein trägt Porträt von mythologischer Gestalt

Offenbach - Deutsche zahlen am liebsten mit Bargeld. Banknoten werden aber häufig gefälscht. Deshalb sollen neue Scheine immer sicherer werden. Bald kommt die nächste 20-Euro-Note heraus. Von Marc Kuhn 

Diana Rutzka-Hascher, Präsidentin der Hauptverwaltung in Hessen der Deutschen Bundesbank zeigt den neuen 20-Euro-Schein, der sicherer als seine Vorgänger sein soll.

„Deutschland ist ein extrem Bargeld liebendes Land“, sagt Philipp Matern von der Deutschen Bundesbank. Kartenzahlungen kommen viel seltener vor. Fälscher machen sich dies zu nutze. Im ersten Halbjahr wurden von der Bundesbank etwa 50.500 Blüten im Wert von 2,2 Millionen Euro registriert. Dies ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eine Steigerung von 31 Prozent. „Das Falschgeldaufkommen bleibt in Deutschland trotz des Anstiegs auf einem niedrigen Niveau“, erklärt zwar Carl-Ludwig Thiele, Vorstand der Bundesbank. „Gleichwohl gilt es, die gemeinsamen Anstrengungen der Polizei und des Eurosystems im Kampf gegen Falschgeld weiter zu verstärken.“ Im Euroraum sind rund 17 Milliarden Banknoten im Wert von mehr als einer Billion Euro im Umlauf - davon drei Milliarden 20-Euro-Scheine. Da verwundert es nicht, dass 20- und 50-Euro-Scheine bei Ganoven besonders beliebt sind. Sie machen fast 90 Prozent der Blüten in diesem Jahr in Deutschland aus. Deshalb ersetzt die 20-Euro-Note am 25. November die erste Stückelung. 4,3 Milliarden Stück werden ausgegeben. Neue 5- und 10-Euro-Scheine sind schon im Umlauf. Als nächstes folgt der 50-Euro-Schein.

„Hauptgrund für die neue Serie ist, dass wir Fälschern immer einen Schritt voraus sein wollen“, berichtet Matern. „Am besten ein paar Schritte.“ Zwar gilt nach seinen Worten für Geldscheine das sogenannte Kontinuitätsprinzip - das Design, Bildelemente wie Tore und Brücken sowie die Farbe bleiben erhalten. Die Sicherheitsmerkmale sind aber wesentlich verbessert worden. Sie können vom Verbraucher mit dem Echtheits-Dreisatz erfasst werden: kippen, sehen, fühlen, wie Matern sagt. „Dann ist man auf der sicheren Seite.“

Hält man den 20-Euro-Schein gegen das Licht, erscheint links das Porträt der mythologischen Gestalt Europa. Es stammt von einer Vase aus dem Louvre in Paris. Gesichter seien schwer zu fälschen, sagt Matern. „Mit dem Zwanziger ist ein Meilenstein in der Banknoten-Technologie gelungen“, erklärt Thiele. Im Licht erscheint das Porträt auch rechts in einem Hologramm - durchsichtig. Matern spricht von einem Highlight. „Das ist im Moment nicht fälschbar.“ Es sei weltweit das erste Mal, dass diese Technologie eingesetzt werde.

Schwer zu fälschen ist die Zahl 20 unten links auf dem Schein. Wird er gekippt, wechselt die Farbe der Zahl von Smaragdgrün zu Tiefblau. Die 20 erscheint auch noch als Wasserzeichen, wenn die Note gegen das Licht gehalten wird. Zudem gibt es fühlbare Strukturen an beiden Rändern des Geldscheins. Für sie gibt es nicht nur Sicherheitsgründe. Die Riffelungen sollen auch Menschen mit Sehschwächen oder gar Blinden Orientierung gegeben. Auf dem 20er-Schein sind zwei Zwischenräume zu fühlen, auf der 10-Euro-Note nur einer und auf dem 5-Euro-Schein gar keine. Ein weiteres Sicherheitsmerkmal ist für Geschäfte interessant. Wird die Banknote unter UV-Licht gehalten, sind Fasern zu erkennen, die in den Farben Rot, Grün und Blau leuchten.

Wofür die Deutschen ihr Geld ausgeben

Die Sicherheitsmerkmale sind auf der Vorderseite des 20-Euro-Scheins untergebracht. Kaum erkennbar auf der Rückseite ist, dass die Europakarte erweitert worden ist. Schließlich ist der Euroraum seit der ersten Serie der Banknoten um Malta und Zypern gewachsen. Wegen der Erweiterungen steht der Name EZB auch in mehr Sprachen am Rand des Scheins: Jetzt sind es neun statt fünf.

Die Notenbanken haben beim 20-Euro-Schein aus Fehlern gelernt. Bei der Einführung der 5er-Note hatte es Probleme gegeben. Einige Automaten konnten sie zunächst nicht erkennen. Deshalb sind Banken und Betreibern von Fahrkarten- und Zigarettenautomaten in den vergangenen Monaten Testnoten zur Verfügung gestellt worden, so Matern. So konnten sie ihre Technik auf die neuen Scheine vorbereiten. „Wir gehen davon aus, dass alles reibungslos geht.“

Rubriklistenbild: © Bundesbank

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