Experte rät: Deutsche Aktien gehören ins Depot

Nicht der Heimatliebe verfallen

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Dreieich/Neu-Isenburg - Anleger, die in Aktien investieren, müssen viele Kriterien beachten. Beispielsweise stellt sich die Frage: Ist Deutschland attraktiv?.

Das Land gilt als Exportweltmeister. Vor allem die gute Qualität und die hohe Produktivität haben Deutschland international einen Spitzenplatz eingebracht. Zu Deutschlands Top-Exportgütern zählen neben Autos und Maschinen auch chemische Erzeugnisse und Datenverarbeitungsgeräte. „Made in Germany steht im Ausland vor allem für hohe Produktqualität und effiziente Dienstleistungen“, erklärt Guido vom Schemm, Geschäftsführer der GVS Financial Solutions, in Dreieich. So habe Deutschland 2013 einen Nettoexportüberschuss von 199 Milliarden Euro erzielt. Dabei liege Deutschland sogar vor China. Bei der EU-Kommission und in den USA würden diese Überschüsse allerdings kritisch gesehen, da diese Ungleichgewichte ein Grund für die Finanz- und Schuldenkrise in Europa sein sollen. Den Ländern mit Exportüberschüssen, stünden die Länder gegenüber, die ihre Importe mit Schulden finanzieren.

Frank Haser von der gleichnamigen Vermögensverwaltung aus Neu-Isenburg meinte dagegen, dass die Exportergebnisse die Leistungskraft der deutschen Unternehmen widerspiegeln. Die Überschüsse erziele Deutschland zunehmend mit Handelspartnern außerhalb der Euro-Zone. „Das Argument, Deutschland bringe seine Euro-Partner mit seinem Exportüberschuss in Bedrängnis, trifft daher nur sehr begrenzt zu“, erläuterte vom Schemm. Die Entwicklung des Euro spiele den deutschen Unternehmen in die Karten. In früheren Jahren profitierte die deutsche Wirtschaft von einer günstigen Wechselkursentwicklung. „Dieser Effekt dürfte sich im nächsten Jahr wieder spürbar in der Gewinnentwicklung der heimischen Unternehmen widerspiegeln“, erklärte Haser. In diesem Jahr habe der Euro rund 8 Prozent gegenüber dem US-Dollar abgewertet. Hauptprofiteur könnte laut Haser möglicherweise die Auto- und Flugzeugbauindustrie sein. Der starke Export könne aber auch zum Nachteil werden. Sollte die Weltkonjunktur weiter abkühlen, hätte dies weitreichende Folgen für die deutschen Unternehmen.

„Wer in deutsche Werte investiert, trägt ein hohes Risiko“

Die Umsätze würden sinken und die Gewinne einbrechen. Politische Entscheidungen könnten die Ergebnisse exportorientierter Unternehmen ebenfalls eintrüben. Zahlreiche deutsche Betriebe würden ihre Produkte beispielsweise nach Russland liefern. Die Sanktionen gegen Russland würden diese treffen. „Im Depot sollte Deutschland sicherlich eine Rolle spielen, jedoch sollten Anleger nicht der Heimatliebe verfallen. Wer nur in deutsche Werte investiert, trägt ein hohes Risiko“, warnte Guido vom Schemm und wies darauf hin, dass Anleger über den Tellerrand blicken sollten, um Risiken zu begrenzen. Durch die aktuelle Korrektur an den Börsen seien zahlreiche substanzstarke Unternehmen wieder günstiger geworden. Der legendäre Investor Warren Buffett hat gesagt, dass er Angst habe zu investieren, wenn alle euphorisch seien und dass er mutig sei, wenn alle Angst haben, erklärten die Vermögensverwalter.

Haser geht davon aus, dass der Altmeister in diesen Tagen eher auf der Käuferseite, als auf der Verkäuferseite stehen wird. Vom Schemm ist etwas vorsichtiger und wartet ab, ob der eingeschlagene Trend nicht zu einer deutlichen Korrektur und somit zu noch attraktiveren Einstiegschancen führt. Wie es bei europäischen Nachbarn aussieht und ob Anleger investieren sollten, lesen Interessenten im nächsten Teil der Serie.

(ku)

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