Schlüsselfragen: Welche Pflichten Vermieter und Mieter haben.

Für den Notfall vorsorgen

Berlin (ku) ‐ Viele Mieter sind während der Sommermonate auf Reisen, weit weg von ihrer Wohnung.

„Mieter haben allerdings eine Obhutspflicht“, erklärt Jürgen Michael Schick, Vizepräsident des IVD Bundesverbands, in dem Immobilienberater, Makler, Bauträger, Immobilienverwalter, Finanzdienstleister und Sachverständige organisiert sind. „Sie müssen dafür sorgen, dass voraussehbare Schäden in und an der Wohnung vermieden werden - auch dann, wenn sie nicht zu Hause sind.“ Dazu gehört auch, den Vermieter darüber zu informieren, wer außer dem Mieter über einen Schlüssel zur Wohnung verfügt, damit dieser sich in Notfällen Zutritt zur Wohnung verschaffen kann - beispielsweise bei einem Wasserrohrbruch. Informieren Mieter den Vermieter nicht, müssen sie möglicherweise Schadenersatz leisten, wenn es während der Abwesenheit zu einem Schaden in der Wohnung kommt (Bundesgerichtshof, Az. VIII ZR 164/70).

Einen Schlüssel für den Notfall „vorsichtshalber“ für sich behalten darf der Vermieter nicht - es sei denn, es ist der ausdrückliche Wunsch des Mieters. „Aber auch dann darf der Vermieter die Wohnung nur in wirklichen Notfällen betreten - er kann nicht einfach behaupten, nach dem Rechten sehen zu wollen“, sagt Schick.

Eine der ersten „Schlüsselfragen“ zwischen Mieter und Vermieter stellt sich noch vor dem Einzug in die Wohnung: Wie viele Schlüssel muss der Vermieter aushändigen? In der Regel sind es mindestens zwei Schlüssel, die der Mieter jeweils für Wohnungs- und Haustür, Briefkasten, Keller und Boden erhält. „Es kann jedoch sinnvoll sein, dem Mieter mehr Schlüssel zur Verfügung zu stellen“, rät Schick. Denn Anspruch auf einen Schlüssel hat zum einen jeder, der den Mietvertrag mit unterschrieben hat, aber auch Lebenspartner, größere Kinder oder Großeltern, die mit in der Wohnung leben. Viele Mieter brauchen zudem zusätzliche Schlüssel für die Putzfrau oder die Tagesmutter. „Mit zwei Schlüsseln kommen die wenigsten aus“, so Schick. Auch ein alleinstehender Mieter kann zwei Schlüssel verlangen - nämlich um einer Vertrauensperson im Urlaub den Zugang zu ermöglichen (Amtsgericht Berlin-Schöneberg, Az. 103 C 406/90). „Auf diese Schlüssel hat der Mieter einen Anspruch, der Vermieter kann sie ihm nicht verweigern. Das gilt auch, wenn der Zusatzbedarf erst nach dem Einzug entsteht. „Die Kosten für nachträgliche angefertigte Schlüssel trägt aber der Mieter“, erklärt Schick.

Die Frage, ob Mieter Haus- oder Wohnungsschlüssel ohne Erlaubnis des Vermieters selber nachmachen lassen dürfen, ist gerichtlich nicht eindeutig geklärt: „Am besten ist es daher, wenn Mieter ihren Vermieter darüber informieren, wenn sie Nachschlüssel anfertigen lassen und für wen diese gedacht sind“, so Ulrich Löhlein, Leiter des Servicecenter Hausverwaltung im IVD. Immer öfter müssen sich Mieter ohnehin an den Vermieter wenden, wenn sie weitere Schlüssel brauchen: Mittlerweile haben viele Häuser eine moderne Schließanlage. „Wer hierfür einen Schlüssel nachmachen lassen will, der braucht einen Berechtigungsschein - und den hat nur der Vermieter“, so Löhlein.

Zieht der Mieter aus, ist er dazu verpflichtet, dem Vermieter alle Schlüssel zurückzugeben - auch diejenigen, die er auf eigene Kosten hat nachmachen lassen. Kann er dies nicht, haftet er. „Wenn dann noch die Möglichkeit besteht, dass jemand mit dem verlorenen oder auch gestohlenen Schlüssel sich unberechtigt Zutritt verschafft, kann der Vermieter das Haustürschloss auswechseln lassen und von dem Mieter, der den Schlüssel verloren hat, Schadenersatz verlangen“, erläutert Schick. Allerdings muss der Vermieter den Mieter schon bei Übergabe der Schlüssel darauf hinweisen, dass es ihn teuer zu stehen kommt, wenn durch seine Schuld eine Schließanlage ausgetauscht werden muss. Andernfalls trifft ihn möglicherweise ein Mitverschulden.

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