Stunde der Wahrheit: Beratungen im Opel-Aufsichtsrat

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Ein Opel-Firmenschild, aus dem das GM-Zeichen herausgebrochen ist.

Rüsselsheim - Für Opel schlägt heute die Stunde der Wahrheit. Der Aufsichtsrat des angeschlagenen Autobauers will bei einer Krisensitzung über den Rettungsplan des Managements beraten.

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Ein solcher Plan ist Voraussetzung dafür, dass die Bundesregierung Opel wie gewünscht unter die Arme greift. Schlüsselelement des Konzepts dürfte die Trennung von dem ums Überleben kämpfenden Mutterkonzern General Motors werden.

Von dem Sanierungsplan werden auch offizielle Angaben dazu erwartet, wie viel Hilfe Opel benötigt. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa wurde von GM- und Opel-Managern in den Verhandlungen mit Bund und Ländern ein langfristiger Kapitalbedarf von acht bis neun Milliarden Euro genannt. Opel-Chef Hans Demant wies diese Größenordnung als "völlig aus der Luft gegriffen" und "absurd hoch" zurück. Bisher war von Krediten oder Bürgschaften von rund 3,3 Milliarden Euro die Rede gewesen.

In den USA traf sich unterdessen die Führung des Mutterkonzerns GM zu einem Krisengespräch mit der Regierung in Washington. Nach Angaben informierter Kreise bekräftigte GM-Chef Rick Wagoner bei dem sechsstündigen Treffen am Donnerstagabend (Ortszeit) seine Forderung nach weiteren Staatshilfen in Höhe von 16 Milliarden Dollar (12,6 Milliarden Euro).

Es war das erste Treffen von General Motors mit der sogenannten Auto-Task-Force der Regierung von Präsident Barack Obama. Weitere Einzelheiten der als vertraulich eingestuften Gespräche wurden nicht bekannt.

Zuvor hatte der Konzern für 2008 einen schwindelerregenden Verlust von 30,9 Milliarden Dollar (24,3 Milliarden Euro) bekanntgegeben. Auch das Geschäft in Europa mit der Hauptmarke Opel rutschte tiefer in die roten Zahlen. Der operative Verlust verfünffachte sich auf 2,9 Milliarden Dollar (2,3 Mrd Euro).

Die Bundesregierung zeigt sich inzwischen zunehmend verärgert über GM und mahnte in den USA tragfähige Konzepte an, um die mehr als 25 000 Arbeitsplätze an den vier deutschen Standorten zu bewahren. Mehrere Tausend Opel-Beschäftigte demonstrierten in Europa am Donnerstag für ihre Jobs.

Nach dpa-Informationen aus Finanzkreisen hat General Motors bisher keine verbindlichen Angaben über die Zukunft der deutschen Werke gemacht. GM prüfe einen Verkauf des Opel-Werkes in Eisenach (Thüringen), in dem der Kleinwagen Corsa gebaut wird. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" hat es bereits Gespräche mit dem Konkurrenten Daimler gegeben, der sich für Opel Eisenach interessiere. Entscheidungen seien noch nicht getroffen worden.

dpa

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