Optimismus - aber Stellenabbau

Offenbach - Die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie in der Region blicken zwar mit Zuversicht in die Zukunft, allerdings wirkt sich diese Einschätzung nicht positiv auf die Entwicklung der Beschäftigtenzahl aus. Von Marc Kuhn

„Der Start ins Geschäftsjahr 2011 war von Optimismus geprägt“, sagte Wolfgang Huberti, Vorsitzender der Bezirksgruppe Offenbach-Hanau von Hessenmetall, gestern bei der Vorlage der Frühjahrsumfrage. Auch für die weitere Entwicklung zeigte sich Huberti zuversichtlich. Die hiesigen Firmen hätten beim Umsatz und Auftragsbestand das Vorkrisenniveau erreicht, beim Ergebnis aber noch nicht, erklärte der Geschäftsführer der Bezirksgruppe des Arbeitgeberverbands, Hans-Joachim Jungbluth.

Huberti und Jungbluth zogen eine positive Bilanz der im Tarifvertrag festgelegten Flexibilität. Zum 1. April war eine Gehaltserhöhung von 2,7 Prozent vereinbart worden. Die Unternehmen hatten die Möglichkeit, diese Erhöhung um zwei Monate vorzuziehen oder um zwei Monate nach hinten zu verlegen. Etwa 25 Prozent der Betriebe in der Region hätten das Plus vorgezogen, kein Unternehmen den späteren Termin genutzt, berichtete Jungbluth. Flexibilität sei das Gebot der Stunde, erläuterte Huberti. Sie sorge für mehr Akzeptanz des Flächentarifvertrags, fügte Jungbluth hinzu.

Optimistische Prognosen

Mit Blick auf die Umfrage sprach Huberti von sehr optimistischen Aussagen zur Geschäftslage. 92 Prozent der befragten Unternehmen würde diese als befriedigend bis sehr gut bezeichnen. Genauso groß sei die Zahl der Optimisten, die im Herbst eine vergleichbare oder bessere Geschäftslage erwarten würden. Ähnlich positiv sei die Entwicklung bei den Aufträgen, sagte Huberti. Die Kapazitäten seien ausgelastet. 41 Prozent hätten ihre Auftragsbestände als verhältnismäßig groß, 42 Prozent als ausreichend bezeichnet. 92 Prozent gingen von einer verbesserten beziehungsweise gleichbleibenden Situation in sechs Monaten aus. Beim Umsatz hätten 75 Prozent der Firmen von verhältnismäßig großen oder ausreichenden Werten gesprochen. Und für den Herbst würden 58 Prozent der Unternehmen von unveränderten und 42 Prozent von eher steigenden Erlösen ausgehen. Trotz der guten Aussichten gehen die befragten Unternehmen von einem weiteren Arbeitsplatzabbau aus.

Energiewende verunsichert Unternehmen

Die Umfrage belegt zudem, dass zurzeit 96 Prozent der Mitarbeiter zur Stammbelegschaft gehören, vier Prozent sind Zeitarbeitnehmer. „Die Ergebnisse der Frühjahrsumfrage zeigen, dass die Behauptung, Zeitarbeit würde die Stammbelegschaft verdrängen, schlichtweg falsch ist“, erklärte Huberti.

Er sprach auch von Unsicherheiten für die weitere Entwicklung in der Metall- und Elektrobranche der Region. Dazu zählte der Vorsitzende der Bezirksgruppe Offenbach-Hanau gestiegene Energieausgaben und hohe Materialkosten. Die von der Bundesregierung eingeläutete Energiewende bezeichnete Huberti als „ein ganz heißes Eisen“. Einige Firmen würden sich um eine „wettbewerbsfähige Fertigung in Deutschland“ sorgen.

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