Plädoyer für Weiterbildung

Offenbach (ku) - Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach sorgt sich um das Fachkräfteangebot in der Region. Deshalb will sie in einem Positionspapier zeigen, wie Potenziale besser genutzt werden können, um Unternehmen die Rekrutierung von Mitarbeitern zu ermöglichen.

„Hiervon unberührt bleibt die Notwendigkeit der Verbesserung der politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen für Unternehmen bei der Beschäftigung von Fachkräften“, heißt es. Der Fachkräftemonitor der Industrie- und Handelskammern, der Daten der Arbeitsagenturen, Schulen und des Statistischen Landesamtes zusammenführe, prognostiziere, dass im Rhein-Main-Gebiet bis 2020 etwa 20.000 Akademiker und 360.000 nicht-akademische Fachkräfte fehlten. Für den Bezirk der IHK Offenbach bedeute diese Entwicklung einen Mangel von 3000 Akademikern und 45.000 nicht akademischen Fachkräften. Auch eine bundesweite Umfrage der Industrie- und Handelskammern zeige die Dramatik der Entwicklung, erklärte die IHK. Je nach Branche erwarteten zwischen 50 und 60 Prozent der Firmen erhebliche Probleme bei der Besetzung von Stellen.

Angesichts dieser Entwicklung hat die IHK Forderungen der Unternehmen in Stadt und Kreis Offenbach aufgestellt:

  • Die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss muss reduziert werden - hier ist die hessische Schulpolitik gefordert, die durch individuelle Förderung von der Vorschule bis zum Verlassen der Sekundarstufe I oder II Schulversagen verhindern muss, schreibt die IHK.
  • Direkte Übergänge von der Schule in Ausbildung und Beruf sind zu verbessern - bereits ab der 7. Klasse sind Berufsorientierung und Berufsvorbereitung so zu gestalten, dass die Schüler frühzeitig über die Möglichkeiten und Chancen einer betrieblichen Berufsausbildung informiert sind. Damit wären sie gut vorbereitet, um sich auf dem regionalen Ausbildungsmarkt zu informieren und bei den Betrieben erfolgreich zu bewerben.
  • Schülerinnen und Schülern sowie Auszubildenden und deren Eltern muss besser aufgezeigt werden, welche vielfältigen Karrierewege eine betriebliche Berufsausbildung bietet. Wegen der vielfach bei Migranten hierüber fehlenden Kenntnisse gilt dieser Zielgruppe besonderes Augenmerk. Zusatzqualifikationen während der Ausbildung, berufsbegleitende Weiterbildung zum Meister, Fachwirt oder Fachkaufmann eröffnen auch ohne Abitur den Weg zu einem Studium.
  • Die Möglichkeit der Erwerbsbeteiligung von Frauen muss steigen - hierzu bedarf es nicht nur qualifizierter Betreuungsangebote für Kinder, deren Fehlen beziehungsweise mangelnde Flexibilität Beschäftigung verhindert. Auch sind passende arbeitsorganisatorische Modelle zu fördern, die den Bedürfnissen von Müttern und Vätern Rechnung tragen, die Arbeitszeit und Familienzeit besser vereinbaren wollen.
  • Die Möglichkeiten, ältere Arbeitnehmer im Erwerbsprozess zu halten, müssen deutlich verbessert werden. Hier bedarf es nicht nur geeigneter Weiterbildungsangebote, die eine Qualifikation der Arbeitnehmer sicherstellen. Auch hier sind Arbeitszeitmodelle zu entwickeln, die den Bedürfnissen der älteren Arbeitnehmer auf dem Weg zu einem gleitenden Übergang in den Ruhestand Rechnung tragen.
  • Das Potenzial von Fachkräften mit Migrationshintergrund, die ihre Ausbildung im Ausland durchlaufen haben, muss besser genutzt werden. Das in Vorbereitung befindliche „Gesetz zur Verbesserung der Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen“ geht in die richtige Richtung. Die konkrete Ausgestaltung muss nun so erfolgen, dass die Kammern als zuständige Stellen fest verankert werden und die Möglichkeiten erhalten, das Anerkennungsverfahren so praxisnah wie möglich umzusetzen.
  • Qualifizierung und Weiterbildung sind voranzutreiben - betriebliche Aus- und Weiterbildung ist die entscheidende Quelle für die Sicherung des Fachkräftebedarfs.

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