Das sagen Opelaner in Europa

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Die Reaktionen auf die Gm-Entscheidung zu Opel sind in Europa höchst unterschiedlich.

Rüsselsheim - Die Reaktionen aus den Opel-Standorten in Europa sind höchst unterschiedlich. Die Spanier zeigen sich enttäuscht, die Briten  freuen sich über die GM-Entscheidung.

Spanien: Enttäuschung über GM-Entscheidung

Die spanischen Opel-Arbeiter haben mit Enttäuschung auf die Entscheidung des US-Autobauers General Motors (GM) reagiert, die Tochter Opel doch zu behalten. “Wir haben genug von der ständigen Ungewissheit über die Zukunft des spanischen Opel- Werks“, sagte das Betriebsratsmitglied Pedro Bona in der Nacht zum Mittwoch.

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Er forderte GM auf, möglichst rasch die Pläne für das Opel- Werk in Figueruelas bei Saragossa vorzulegen. Die spanischen Opel-Beschäftigten hatten sich in monatelangen Verhandlungen mit dem österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna auf einen Sanierungsplan verständigt. Danach sollten 900 der derzeit 7500 Arbeitsplätze im spanischen Opel-Werk abgebaut werden. “Wir wurden von der neuen Wende völlig überrascht“, sagte Bona.

Großbritannien: Gewerkschaft begrüßt Entscheidung

Als “fantastische“ Entscheidung haben britische Gewerkschafter die Absage von General Motors an einen Opel- Verkauf gefeiert. “Es ist die beste Entscheidung für Großbritannien und unsere Fabriken“, sagte der Generalsekretär der Gewerkschaft Unite, Tony Woodley, mit Blick auf die beiden englischen Werke der Opel-Schwester Vauxhall. An den Vauxhall-Standorten in Ellesmere Port und Luton arbeiten 5500 Menschen.

Die Arbeitnehmervertreter hatten vor allem um die mittelfristige Zukunft des Werks in Luton gefürchtet und kritisiert, dass deutsche Arbeitsplätze durch den ursprünglich geplanten Deal auf unfaire Weise bevorzugt worden wären. “Ich bin absolut glücklich, dass General Motors nun doch das Richtige für sich und für uns macht“, sagte Woodley. Gleichzeitig kündigte er an, dass es nun Verhandlungen mit dem Mutterkonzern über eine Umstrukturierung geben werde.

Belgien: Klarheit gefordert

Die Entscheidung von General Motors, Opel nicht zu verkaufen, hat am belgischen Standort Antwerpen Überraschung und neue Angst um die 2600 Arbeitsplätze ausgelöst. Der Ministerpräsident der Region Flandern, Kris Peeters, forderte am Mittwoch Klarheit innerhalb der nächsten Tage über die Absichten des US-Konzern. “Der Fall hat eine seltsame Wendung genommen“, sagte Peeters. Wenn es einen anderen Plan gebe, mit dem die Arbeitsplätze in Antwerpen erhalten werden, so sei Flandern weiterhin bereit, sich mit 500 Millionen Euro daran zu beteiligen.

Die Mitarbeiter der Morgenschicht nahmen am Mittwoch ihre Arbeit wie üblich auf, teilten Gewerkschafter mit. In Antwerpen wird der Opel Astra hergestellt. “Wir wissen überhaupt noch nicht, was das für die europäischen Werke und für Antwerpen bedeutet. Aber wir hoffen rasch auf mehr Informationen“, sagte Luc van Grinsven von der christlichen Gewerkschaft CSC. “Das alles ist kaum zu glauben.“ Sein Kollege Rudi Kennes von der sozialistischen Gewerkschaft FGTB sagte: “Ebenso wie der Rest der Welt hat uns die Entscheidung von General Motors völlig verblüfft.“

Polen: Opel-Betriebsraterleichtert über GM-Rückzieher

Mit vorsichtigem Optimismus hat die Belegschaft des polnischen Opel-Werks in Gleiwitz (Gliwice) auf die überraschende Entscheidung von General Motors reagiert, die deutsche Traditionsmarke doch im Konzern zu behalten. “Es gibt keinen riesigen Optimismus, und wir schäumen nicht vor Freude über, denn die Zukunft ist immer noch unsicher“, erklärte der stellvertretende Chef der Gewerkschaft Solidarität in dem Werk, Miroslaw Rzezniczek, am Mittwoch.

“Das Problem mit Magna war, dass sie nicht garantieren wollten, dass unser Werk nicht geschlossen wird“, sagte er weiter. “Wir hoffen, dass die Wirtschaft über die Politik die Oberhand behält und dass unser Werk - das beste Opel-Werk in Europa - die schweren Zeiten übersteht und sich weiterentwickelt.“ In Gleiwitz liefen dieses Jahr bis einschließlich September lediglich 66.900 Fahrzeuge vom Band. Im Vorjahreszeitraum waren es noch über 151.700 Wagen.

AP/dpa

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