Tipps zu Anlagen in Schwellenländern

Rendite und Risiko ausbalancieren

Dreieich/Neu-Isenburg - Investitionen in Schwellenländern bringen Rendite, sie bergen aber auch Risiken. Anleger sollten deshalb ein paar Ratschläge beherzigen.

Die Emerging Markets (EM), auch aufstrebende Schwellenländer genannt, sind vielen Anlegern bekannt. Besonders das Modewort BRIC als Abkürzung für Brasilien, Russland, Indien und China wurde im vergangenen Jahrzehnt häufig als Akronym für alle Schwellenländer genutzt. „Die Emerging Markets sind der Wachstumsmotor der Welt. Viele Staaten weisen zudem eine deutlich niedrigere Staatsschuldenquote als Deutschland auf und verfügen über hohe Devisenreserven sowie eine aufstrebende Mittelschicht“, erklärt Guido vom Schemm, Geschäftsführer der GVS Financial Solutions in Dreieich. „Die EM sollten fester Bestandteil eines gut strukturieren Depots sein. So können Rendite und Risiko im Depot besser ausbalanciert werden.“ Die Schwankungsbreite der EM-Indizes sei in den vergangenen zwölf Monaten beispielsweise zehn Prozent geringer gewesen als bei europäischen Börsen.

Worauf gilt es aber zu achten, wenn man in EM investieren will? „Wo Chancen existieren, lauern auch Risiken“, gibt Frank Haser von der gleichnamigen Vermögensverwaltung zu bedenken. „Der große Einfluss von ausländischem Kapital auf die Börsen konnte in 2013 beobachtet werden, als viel Kapital in die USA abwanderte.“ Investoren sollten deswegen bei einem Aktieninvestment in diese Region einen Anlagehorizont von mindestens fünf Jahren mitbringen, um kurzfristige Rückschläge aussitzen zu können, meint Haser. „Wie heterogen die EM sind, lässt sich an der Ukraine-Krise ablesen. Russland wurde vom Westen mit Sanktionen belegt und prompt ging die russische Börse auf Talfahrt. China ist der lachende Dritte im Bunde, da es langfristig günstig seinen Energiehunger mit russischem Gas stillen kann.“

Südostasiatische Regionen seien im Gegensatz zu Deutschland fast gar nicht vom Ukraine-Konflikt betroffen, so dass die dortigen Unternehmen ungehindert weiterwachsen könnten. Einen breiten Korb an EM-Ländern zu kaufen sei folglich nur bedingt sinnvoll. „Passive Indexfonds, kurz ETFs, eignen sich daher nicht als Kaufoption, wenn man in ein oder mehrere EM-Länder investieren will“, erklärt Haser. „Wir empfehlen ausschließlich aktiv gemanagte Lösungen.“ Auch vom Schemm setzt auf einen Aktienfondsmanager vor Ort. „Im chinesischen Aktienindex beispielsweise beträgt die Quote der nichtstaatlichen Firmen nur rund 25 Prozent der Marktkapitalisierung. Das Staats- und Aktionärsinteressen häufig kollidieren, dürfte hinlänglich bekannt sein. Somit scheidet ein China-ETF für uns aus. Außerdem können gute Fondsmanager besonders in Schwellenländern die Ineffizienzen identifizieren und in Performance wandeln“, sagt vom Schemm.

Auch die Zinsseite bei EM-Ländern in Zeiten von Strafzinsen in Deutschland sehe deutlich attraktiver aus. Während sich Deutschland mit einer Staatschuldenquote von rund 80 Prozent für 0,8 Prozent Zinsen pro Jahr 10 Jahre lang Geld leihen könne, zahlten China und Mexiko mit einer Schuldenquote von unter 50 Prozent einen jährlichen Zins von vier beziehungsweise sechs Prozent.

EM-Investments repräsentieren bei Privatanlegern - häufig aus Angst und Distanz zu diesen Ländern – nur weniger als drei Prozent des Vermögens, dabei steht die Region für über 20 Prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts, wie die Vermögensverwalter erklären. Wenn langfristig orientierte Investoren folgende Regeln beherzigen würden, könnten Investments in EM die Renditen optimieren und das Risiko mindern:

  • EM-Länder sind heterogen, analysieren Sie daher die Qualität und Nachhaltigkeit des Wachstums, die Demografie sowie Staatsschulden und Marktrisiken (zum Beispiel Korruption) eines jeden Landes.
  • Investieren Sie aktiv statt passiv.
  • Kaufen Sie antizyklisch - folgen Sie keinen Modethemen oder Buchstabenkürzeln wie BRIC.
  • Achten Sie auf Abhängigkeiten, beispielsweise von Direktinvestitionen oder Rohstoffen.

Im nächsten Teil der Serie erfahren Leser, welche Folgen Strafzinsen haben und wie man sich dagegen wehren kann. 

ku

Rubriklistenbild: © Symbolbild. dpa

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