Philip Hoffmann schafft sich seinen Ausbildungsweg selbst

Rezept gegen Fachkräftemangel

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Schon nach dem Abitur hat Philip Hoffmann auf einer Baustelle für seinen heutigen Chef gearbeitet.

Frankfurt - Überall rufen Unternehmen nach Fachkräften. Wenige junge Menschen entscheiden sich gegen das Studium und für eine Ausbildung. Philip Hoffmann suchte und fand den Mittelweg. Von Sonja Achenbach 

In einem Hinterhof in Frankfurt steht ein Gerüst an einem Einfamilienhaus. Wärme-Dämmung an der einen Wand, die andere wird armiert – alte Risse werden verputzt. Auf den ersten Blick nichts wirklich Ungewöhnliches. Dabei arbeitet hier ein Auszubildender, der sich seinen Ausbildungsweg einfach selbst geschaffen hat.

2011 macht Philip Hoffmann Abitur. Im Oktober des Jahres will er an der TU Darmstadt Maschinenbau anfangen zu studieren. Die Zeit bis dahin aber keinesfalls nur Däumchen drehen. Also arbeitet er drei Monate bei der Firma Baudekoration Eugen Hofmann GmbH.

Vier Semester bleibt er beim Maschinenbaustudium, aber wirklich glücklich wird er damit nicht. „Es war mir alles zu theoretisch,“ erzählt Hoffmann. Eine Kombination vom Studium des Bauingenieurswesens und Ausbildung ist eher nach seiner Vorstellung. Am liebsten in Kombination mit einer Ausbildung als Maler- und Lackierer. In vielen anderen Ausbildungsgängen gibt es ein solches Modell, aber nicht in der Kombination mit dieser Ausbildung.

Am Ziel angelangt

Mehr als ein Jahr später steht Hoffmann auf einem Gerüst in Frankfurt und verputzt eine Wand. Er ist am Ziel seiner Bemühungen angelangt. „Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal im Handwerk arbeiten werde, aber es ist genau das Richtige für mich“, sagt er zufrieden. Durch die vielfältigen Möglichkeiten an Weiterbildung sieht er eine gute Zukunftsperspektive. Auch eine Promotion ist möglich. „So kann man später dann auch sein eigenes Unternehmen führen“, sagt Hoffmann.

Auf dem Weg zu seiner Ausbildung muss der 24-jährige Pilotstudent aber zunächst einige Hürden meistern: Von der Idee des dualen Studiengangs fasziniert, spricht Hoffmann seinen Chef an. „Ich musste erstmal abklären, ob er überhaupt auf mich verzichten kann, während ich an der Uni bin,“ sagt er. Dieser sichert seine Unterstützung zu. Ohne die Zustimmung der Maler- und Lackiererinnung geht es nicht weiter. „Deren Chef Felix Diemerling war begeistert, als wir ihn angesprochen haben“, sagt Philip Hoffmann.

Im September 2013 hat der 24-jährige Frankfurter seine Ausbildung begonnen – als Pilot-Student/-Azubi, wie es etwas sperrig heißt. Die Zeit bis März 2014 verbringt er mit seinen neuen Kollegen auf Baustellen. Eigentlich ein ganz normaler Auszubildender. Zum Sommersemester 2014 ändert sich sein Wochenplan. Zwei Tage verbringt er an der Frankfurt University of Applied Sciences mit anderen Bauingenieurs-Studenten. Die restlichen drei Tage kehrt er auf die Baustelle zurück. „Für mich ist es genau die richtige Mischung aus Theorie und Praxis“, sagt der Pilotstudent.

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Auf der Baustelle im Hinterhof eines Wohnhauses in Frankfurt arbeitet er auch mit Marlon Klan zusammen. Klan ist zwei Jahre jünger als Hofmann, hat seine Ausbildung aber bereits angeschlossen – und steht als Geselle in der Hierarchie über ihm. „Ich habe großen Respekt vor ihm. Das er jünger ist, hat keine Bedeutung.“ Es ist die Teamarbeit, die Hoffmann besonders viel Spaß macht an der Arbeit auf einer Baustelle. „Hier kannst du dich jederzeit auf einen Kollegen verlassen, sie nach Rat fragen. In der Uni kommt es eher darauf an eigenständig zu arbeiten.“ Seine Kommilitonen an der Uni sind sowohl duale Studenten als auch solche des herkömmlichen Bauingenieursstudiums. „Ich habe schon von zwei oder drei gehört, die auch meine Richtung eingeschlagen hätten, wenn es die Möglichkeit gegeben hätte“, erzählt Philip Hoffmann. Die Kombination aus Theorie und Praxis sei es, die am Ende der Ausbildung nicht nur Fachkräfte, sondern auch gereifte Persönlichkeiten hervorbringe.

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