Mit „Rucksack“ vorsorgen

Offenbach ‐ Wenn Georg Köhler über Altersvorsorge spricht, greift der Diplomvolkswirt gerne zum Bild des Rucksacks. Der Arbeitnehmer müsse sich ein Produkt suchen, das er bei seinem ersten Arbeitgeber aufschnallen könne. Von Marc Kuhn

Diesen „Rucksack“ nehme er zu den nächsten Firmen, bei denen er angestellt werde, mit. Im Schnitt heuere ein Arbeitnehmer mittlerweile in seinem Leben bei sechs Unternehmen an, weiß Köhler. Beim Eintritt ins Rentenalter sei der „Rucksack“ dann ordentlich gefüllt. Köhler, bei der Deutschen Gesellschaft für betriebliche Altersvorsorge (DGbAV) für das Rhein-Main-Gebiet zuständig, rät Arbeitnehmern, als „Rucksack“ die Entgeltumwandlung zu wählen - Firmendirektversicherungen, Pensionskassen oder -fonds.

Die Verbraucherzentrale Hessen erklärte, Angebote sollten genau geprüft werden. Interessenten sollten auf die Kosten achten und ihre Risikoneigung bedenken, sagte Katharina Lawrence von der Verbraucherzentrale. „Wir sagen, der erste Baustein ist der private Riestervertrag. Der ist unabhängig vom Arbeitgeber.“

Arbeitnehmer sowie Firmen profitieren

Als Beleg für die Unabhängigkeit der DGbAV verweist Köhler darauf, dass die Gesellschaft mit jeder Versicherung zusammenarbeite, vorausgesetzt, sie erfülle die Qualitätsanforderungen seiner Organisation. Vertraglich verbunden sei sie mit keiner. Bei den Kosten gebe es ohnehin keine großen Unterschiede. Etwa 3 000 Unternehmen würden bundesweit betreut. Den Firmen werden Produkte für die Mitarbeiter angeboten, wie Köhler berichtete. Die „Rucksäcke“ würden dann auf die Bedürfnisse der Angestellten zugeschnitten. Köhler und seine Kollegen berücksichtigen dabei zum Beispiel Familienstand, Gehalt und die Hinterbliebenversorgung.

Von der Entgeltumwandlung würden Arbeitnehmer sowie Firmen profitieren, erläuterte Köhler. Schließlich müssten die Angestellten auf ihre Beiträge keine Steuern zahlen. Sie könnten so im Jahr steuerlich gefördert bis zu 4440 Euro umwandeln. Und der Arbeitgeber müsse keine Sozialversicherungsbeiträge abführen - er spare bis zu 20 Prozent auf jeden umgewandelten Euro. Eine „sehr willkommene Liquiditätsspritze für viele“, berichtete DGbAV-Sprecher Matthias von Debschitz.

Seine Organisation sei daran interessiert, „möglichst viel betriebliche Altersvorsorge ins Volk zu tragen“, sagte von Debschitz. Er warnte vor Altersarmut. In 20 bis 30 Jahre wird die gesetzliche Rente nach seiner Einschätzung Sozialhilfeniveau erreicht haben. Von Debschitz betont, dass der Arbeitgeber verpflichtet sei, die betriebliche Altersvorsorge anzubieten. Mitarbeiter könnten sie sogar einklagen. Abgesichert sei die betriebliche Altersvorsorge durch Protector, einen Sicherungsfonds der Versicherungen, und von Seiten der Firmen durch den Pensionssicherungsverein, berichtete Köhler.

Rubriklistenbild: © dpa

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