„Saubere“ Kleidung suchen

Offenbach - Verbraucher müssten sich mehr dafür interessieren, wo die Kleidung in den Geschäften herkomme, fordern jetzt Experten nach dem Brand mit über 100 Toten in einer Textilfabrik in Bangladesch.

Unser Redaktionsmitglied Peter Schulte-Holtey fragte bei Lars Stubbe von der „Kampagne für Saubere Kleidung“ nach:

Welche Tipps geben Sie Verbrauchern?

Grundsätzlich ist es schwer, sich ausreichend zu informieren, weil die Firmen insbesondere mit Bezug auf die Arbeitsbedingungen sehr intransparent sind. Deswegen fordert unsere Kampagne von den Unternehmen, ihre Zulieferer und die dort herrschenden Arbeitsbedingungen offenzulegen. Dies sollte auch gesetzlich abgesichert werden. Grundsätzlich kritisch sehen wir auch die Zertifizierungsindustrie, die schon bei dem Brand in Pakistan - Käufer war dort Kik, aber auch im Fall in Bangladesch, dort gab es mehrere Käufer - darunter C&A, zwar gelegentlich auf Missstände hinweist, aber kein hinreichendes Mittel zur Abhilfe anbietet.

Ist Textilware aus Bangladesch generell bedenklich?

Es ist ein extrem armes Land und steht auf dem Index für menschliche Entwicklung der UN an 146. Stelle von 187. Die bangladeschische Textilwirtschaft macht 80 Prozent des gesamten Exports der Wirtschaft aus. 50 Prozent davon gehen an europäische Staaten. Nach China und der Türkei ist Bangladesch das drittgrößte Textillieferland in die EU. Es zeigt sich also, dass Bangladesch hauptsächlich billige, gering qualifizierte Arbeitskräfte für den Weltmarkt anbieten kann. Deshalb gibt es nur geringe Mindestlöhne, von denen die Menschen ohne kontinuierliche Überstunden nicht leben könnten. Repression in den Betrieben ist an der Tagesordnung, Gewerkschaften treten kaum auf. Leider spiegelt diese Situation in Bangladesch aber die Verhältnisse im Großteil der asiatischen Textilindustrie wider, auch wenn aufgrund unterschiedlicher Kaufkraft regional die Löhne unterschiedlich sein können. Deshalb hilft die bloße Suche nach anderen Herkunftsländern der Ware nicht weiter. Überdies sind, ungeachtet der Missachtung internationaler Arbeitsnormen, die Arbeiter auf diese Jobs angewiesen. Wir treten für eine Verbesserung der Situation in der gesamten asiatischen Textilindustrie ein.

Und wie kommt man an unbedenkliche Kleidung?

Bislang sind Verbraucher auf wenige Nischenanbieter angewiesen. In einigen Fällen, wie beispielsweise den sandgestrahlten Jeans, geben Nichtregierungsorganisationen wie „Inkota“ auf ihrer Internetseite Überblicke über Firmen, die diese aus ihrer Lieferkette ausschließen. Einen weiteren Ansatz bietet die „Fair Wear Foundation“, unter anderem wurden Kriterien für bessere Arbeitsbedingungen entwickelt.

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