Im Schatten der Akropolis

Offenbach ‐ Die weitreichende finanzielle Unterstützung Griechenlands durch die Euro-Staaten und den Internationalen Währungsfonds (IWF) haben die Sorge über eine Zahlungsunfähigkeit des Landes vorübergehend gemildert. Gelöst sind die Probleme damit aber noch lange nicht. Von Max Rempel

Es bleibt abzuwarten, ob die geplanten Reformen durchgesetzt werden können, und ob sie auch tatsächlich funktionieren. Ansonsten ist zu befürchten, dass zumindest ein Teil der zugesagten 22,4 Milliarden Euro aus Deutschland die Staatsverschuldung weiter nach oben treiben wird.

Aber die Not Griechenlands ist nur die offensichtlichste und vermutlich nicht einmal die größte Herausforderung, die bevorsteht. Seit Jahrzehnten leben viele Länder über ihre Verhältnisse. Durch die Finanz- und Wirtschaftskrise verschlechterte sich ihre Lage dramatisch: Die Staatsverschuldung ufert aus.

Etliche Hoffnungsschimmer in der Wirtschaft

Einige Staaten stehen bereits mit dem Rücken zur Wand. Sollte es zu einem erneuten Einbruch kommen, können sich Länder wie Portugal oder Spanien nicht schon wieder großzügige Staatsprogramme leisten. Die Option Griechenlands, den IWF und die Euro-Länder um Unterstützung zu bitten, haben große Länder womöglich nicht. Zum Vergleich: Deutschlands Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist mehr als zehnmal, Spaniens BIP rund viermal so groß wie das Griechenlands.

Zur Zeit gibt es etliche Hoffnungsschimmer in der Wirtschaft: Die Arbeitslosigkeit sinkt, Unternehmen legen gute Zahlen vor. Was also sollte einen erneuten Konjunktureinbruch auslösen?

Tobias Just, Leiter der Branchen- und Immobilienmarktanalyse bei Deutsche Bank Research befürchtet, ein Einbruch bei gewerblichen Immobilien könnte zu einem „zweiten Schub der Krise mit großen Folgen für die Gesamtwirtschaft“ führen.

Erst kürzlich überraschten einige Großbanken ihre institutionellen Anleger mit Hiobsbotschaften: Ein Morgan Stanley Fonds verlor fast zwei Drittel seines Vermögens, rund vier Milliarden Euro. Ein Goldman Sachs Produkt büßte fast sein gesamtes Eigenkapital ein: Von 1,3 Milliarden sind nur noch etwa 23 Millionen Euro übrig geblieben. Wo liegt das Problem?

Nach Angaben von Just sind die Kreditausfälle bei Gewerbeimmobilien in den USA bereits rasant angestiegen

Viele Projekte wurden zu großen Teilen durch Schulden finanziert. „Nun werden viele dieser Kredite fällig, müssen zurückgezahlt oder durch ein anschließendes Darlehen abgelöst (refinanziert) werden“, sagt Just. Dies lohnt sich aber zum Teil nicht mehr. „Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise sind nicht nur Wohnimmobilien, sondern auch gewerbliche Objekte stark im Preis gefallen“, erklärt er.

Zusätzlich stehen durch die schwache wirtschaftliche Lage mehr Büroflächen frei, die Mieten sinken. Können die Darlehen zum Fälligkeitstermin nicht zurückgezahlt oder refinanziert werden, drohen den Banken Verluste. Nach Angaben von Just sind die Kreditausfälle bei Gewerbeimmobilien in den USA bereits rasant angestiegen. „Das wird zu einem gewaltigen Problem für die amerikanische Konjunktur und etliche US-Banken, besonders für jene, die nicht ausreichend diversifiziert sind“, befürchtet Reinhard H. Schmidt, Professor für Internationales Bank- und Finanzwesen an der Universität Frankfurt.

Auch Schmidt beruhigt: „Ich halte es für ausgeschlossen, dass dieses Problem zu uns herüber schwappt.

Weltweit wurden etwa 6,7 Billionen Euro in gewerbliche Immobilien investiert. Davon entfallen zirka 2,5 Billionen auf Europa und 3 Billionen auf die USA. Dennoch erwartet Just geringere Auswirkungen als bei dem Debakel mit den Ramschanleihen in 2008, da das Volumen um den Faktor zwei kleiner sei als bei Wohnimmobilien und es bereits Anpassungen gegeben habe. Auch Schmidt beruhigt: „Ich halte es für ausgeschlossen, dass dieses Problem zu uns herüber schwappt. In Deutschland ist die Regulierung der Kreditvergabe wesentlich restriktiver“. Etwas skeptischer ist Just.

Zwar sei Deutschland nicht so stark betroffen wie die USA, aber der hohe Anteil von schuldenfinanzierten Immobilien mit zweifelhafter Qualität stimme ihn bedenklich. Dazu passt, dass zum Beispiel Morgan Stanley mit einer Abschreibung von 90 Prozent auf den Eurotower in Frankfurt rechnet.

Aber unabhängig davon, ob die Probleme im Immobilienbereich auch in Deutschland auftreten oder nicht: Falls die Kreditausfälle bei Gewerbeimmobilien die Konjunktur in den USA abwürgt, wird es auch in Europa einen merklichen Rückschlag geben. Wie gut die Weltwirtschaft im allgemeinen und die europäische Wirtschaftsunion im speziellen diesen Belastungen standhält, wird auch davon abhängen, ob zeitgleich noch andere Krisenherde auftreten.

So fürchten zum Beispiel einige führende Ökonomen ein Platzen der Immobilienblase in China. Und auch die enorme Staatsverschuldung Japans trägt nicht wirklich zur Beruhigung der Gemüter bei.

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