Schummelei selbst in der Öko-Branche

Das Bio-Erfrischungsgetränk heißt „Citrus-Ananas“, auf dem Etikett prangen eine Zitrone und eine Ananas. Doch die Supermarktkette räumt selbst ein, dass in ihrem Produkt statt der Früchte Aroma steckt. „Kundentäuschung kann auch bei Öko-Produkten vorkommen“, sagt Ernährungsexperte Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. „Aber grundsätzlich schützt Bio besser vor Imitaten als konventionell.“

Valet und seine Kollegen haben kürzlich eine Debatte über Ersatzstoffe in Nahrungsmitteln mit einer Liste von mittlerweile rund 20 Beispielen entfacht. Darunter waren auch zwei Bio-Produkte. Immer mehr Hersteller ersetzten Originalzutaten durch Billigstoffe und deklarierten das nicht deutlich genug auf der Verpackung, kritisieren die Verbraucherschützer.

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Bund für Lebensmittelrecht

Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft

Verbraucherzentrale

Öko-Produzenten haben dabei aber nicht so viel Spielraum wie konventionelle. „Die Öko-Verordnung der Europäischen Union beschränkt die Verwendung von Zusatzstoffen“, erklärt Experte Valet. Anders als in der konventionellen Lebensmittelwirtschaft dürften zum Beispiel nur natürliche Aromastoffe verwendet werden. Anbauverbände wie Bioland oder Naturland erlaubten diese Geschmacksstoffe sogar nur in bestimmten Produktgruppen. Diese Begrenzungen erschweren es den Herstellern laut Valet, Imitate zu entwickeln. Dem stimmt sogar der Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft BLL zu, den konventionelle Produzenten dominieren. „Die Möglichkeiten für Imitate bestehen genauso, aber im Bio-Bereich gibt es weniger Flexibilität dafür“, sagt Geschäftsführer Marcus Girnau. „Schließlich müssen ja auch die Austauschprodukte biologisch hergestellt sein.“ Das setze der Fantasie der Lebensmittelchemiker Grenzen. Auch dass Bio-Produkte teurer sind, spielt eine Rolle. „Im höheren Preissegment wird die Frage des Austausches von Stoffen nicht so gestellt.“

Überhaupt seien die Vorschriften gegen Imitate in der Bio-Branche strenger, sagt Peter Röhrig, Referent beim Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Die Öko-Verordnung verbiete Stoffe und Herstellungsverfahren, die den Kunden über die Beschaffenheit des Produktes in die Irre führen könnten. Das gelte zum Beispiel für Schinkenimitate aus schnittfestem Stärke-Gel, in das kleine Fleischstücke eingebettet sind. „Mir sind keine Bio-Produkte mit Schinkenimitaten bekannt“, so Röhrig. Auch Analogkäse, der nicht aus Milch, sondern Pflanzenfetten besteht, gebe es nicht mit dem Bio-Siegel.

Aber kann man sich darauf auch bei sogenannten Billig-Bio-Produkten verlassen? Immer mehr Öko-Lebensmittel werden ja nicht unter Marken wie Demeter in Fachgeschäften, sondern in Discountern und anderen konventionellen Supermärkten verkauft. Für Branchenvertreter Röhrig ist das Risiko dort aber nicht größer. „Das Kontrollsystem ist für alle gleich“, sagt er.

Für Verbraucherschützer Valet ist das nicht so eindeutig. Der Markt werde unübersichtlicher, weil die Firmen immer größer und immer mehr Bio-Waren importiert würden. „Die Produkte werden anonymer“, klagt er, „und die Transparenz, die anfangs eine Stärke von Bio war, geht verloren“.

AP

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