Wo sich Investitionen lohnen: USA / Aktien von Großkonzernen locken

Sorgen wegen Schulden

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Dreieich/Neu-Isenburg - Genau ein Jahr ist es her, dass den USA beinahe das Geld ausging und mit dem „government shutdown“ der Regierungsapparat für zwei Wochen nahezu lahmgelegt war.

Ohne eine Anhebung der Schuldenobergrenze wäre die (noch) größte Volkswirtschaft der Welt faktisch pleite gewesen, diese Aussicht versetzte die Marktteilnehmer in Angst und Schrecken. Kann man im Land der unbegrenzten Möglichkeiten wieder bedenkenlos investieren?.

Im Februar 2014 kam das Aufatmen mit dem Gesetz zur bedingungslosen Anhebung der Schuldenobergrenze. Und davon wird man in Zukunft wohl auch Gebrauch machen müssen, denn die US-Schulden wachsen immer weiter. Über 17,7 Billionen Dollar beträgt das Staatsdefizit Ende September 2014 und dürfte nach Schätzungen bis zum Jahresende bei 18,5 Billionen liegen. Das letzte offizielle Schuldenlimit von 17,2 Billionen ist also schon lange überschritten.

Demgegenüber steht eine Wirtschaftsleistung von 17,5 Billionen Euro. Die Schuldenquote liegt heute bei 105 Prozent, vor Ausbruch der Finanzkrise waren die USA nur mit 64 Prozent ihres Bruttosozialprodukts verschuldet. „Dank des niedrigen Zinsniveaus wächst der Schuldenberg nun langsamer“, erklärt Guido vom Schemm, Geschäftsführer bei der unabhängigen Vermögensverwaltung GVS Financial Solutions GmbH in Dreieich. „Auch die an Fahrt gewinnende US-Konjunktur sorgt vorerst für Entspannung.“ Eine Reduzierung des Schuldenberges sehen die Experten aber nicht. Die Schuldenquote dürfte 2014 bestenfalls stabil bleiben. Dafür braucht es Zweierlei: eine prosperierende Wirtschaft und niedrige Zinsen.

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„Unter diesen Voraussetzungen kann das Schlimmste wohl abgewendet werden, doch sind heute US-Staatsanleihen keineswegs mehr ein so sicheres Pflaster, wie viele Anleger es noch immer glauben“, berichtet Frank Haser von der gleichnamigen Vermögensverwaltung mit Sitz in Neu-Isenburg. „Der übliche Zusammenhang zwischen niedrigen Zinsen und Sicherheit gilt hier nicht mehr.“ In punkto Verschuldung rangierten die Vereinigten Staaten unter den wichtigsten Industrieländern hinter Japan auf Platz zwei. „Dieses Risiko wird mit einer Verzinsung 10-jähriger US-Staatsanleihen von 2,5 Prozent nicht adäquat entlohnt, es gibt viele Länder mit einem deutlich besseren Chance-Risiko-Verhältnis“, erläutert Haser.

Vom niedrigen Zinsniveau profitieren hingegen die amerikanischen Unternehmen. „Nicht ohne Grund haussiert der US-Aktienmarkt und hat sich seit seinem Tiefpunkt im Jahr 2009 fast verdreifacht. An Weltkonzernen wie Coca-Cola, General Electrics oder Apple kommen dividendenaffine Aktienanleger nicht vorbei. Die Konzerne gelten allgemein als krisenresistent, und auch der Sachwertgedanke in Zeiten massiver Geldentwertung steigert die Nachfrage nach den Titeln“, meinen die Vermögensverwalter. Die Amerikaner würden außerdem mit attraktiven, zumeist vierteljährlichen Ausschüttungen punkten.

Teuer bezahlte Beliebtheit

Die Beliebtheit müssen Anleger derzeit allerdings teuer bezahlen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für den breit gestreuten US-Index S&P 500 liege mit 16,7 über dem historischen Durchschnitt. Die Steigerung der Unternehmensgewinne sei in vielen Fällen auf Kostensenkungen statt Umsatzwachstum zurückzuführen. „Gemessen daran, scheint der US-Aktienmarkt im Vergleich zu anderen Regionen bereits ambitioniert bewertet“, erklärt vom Schemm.

Sein Kollege ist in diesem Punkt allerdings ganz anderer Ansicht. „Unbestreitbar sind US-Aktien in den letzten Jahren teurer geworden. Angesichts des geringfügigen Zinsniveaus für risikolos erscheinende, sichere Anleihen, werden wir uns künftig aber noch an weitaus höhere Bewertungsniveaus für Aktien sogenannter Qualitätsunternehmen gewöhnen müssen“, meint Haser. Die Amerikaner könnten sich vorerst unbegrenzt weiter verschulden. Das sei kurz- bis mittelfristig gut für die Aktienmärkte, berge aber zunehmend die Gefahr von Blasenbildungen. Wie es um Exportweltmeister Deutschland steht, erfahren die Leser im nächsten Teil der Serie.

ku

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