Sparen kann richtig teuer werden

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Negativrenditen gibt es schon bei Bundesanleihen. Wenn die Leitzinsen weiter sinken, droht das auch Tagesgeldkonten.

Offenbach - Droht bald die Enteignung der Sparer? Was für eine Frage! Die 1,7 Billionen Euro auf den Konten sind doch sicher! Das haben Angela Merkel und Peer Steinbrück dereinst im Vertrauen auf die Haftungsverbünde deutscher Bankengruppen mit treuem Augenaufschlag öffentlichkeitswirksam garantiert. Von Frank Pröse

Die Anfangsfrage entspringt ja auch nicht der Furcht vor einem Paukenschlag. Es droht vielmehr ein schleichender Prozess, bei dem negative Zinsen, ja richtig: negative Zinsen, am Vermögen knabbern. Folgendes Szenario ist nicht weit hergeholt: Wenn die Europäische Zentralbank dieser Tage den Leitzins senkt, könnte das letztlich bis zu den Tagesgeldzinsen bei Banken und Sparkassen durchschlagen. Das heißt, der Banker des Vertrauens könnte bald bedauernd die Hände zur Abwehr erheben, wenn sein Kunde Geld bei ihm deponieren will.

Es wäre im Kleinen das, was im Großen schon passiert ist. Bei Bundesanleihen hat es in den vergangenen Wochen zeitweise schon negative Zinsen gegeben. Wer beispielsweise dem deutschen Staat für zwei Jahre Geld lieh, musste Abschläge in Kauf nehmen. Institutionelle Anleger haben das angesichts der globalen Geldmarktlage dennoch wahrnehmen müssen. Aktuell liegt die Rendite wieder bei 0,1 Prozent. Das trägt freilich bei einer Teuerungsrate um zwei Prozent wenig zur Beruhigung bei. Gleiches gilt für die aktuellen Tagesgeldzinsen von um die ein Prozent. Auch die Anlage ist teuer.

Banken horten lieber Geld, als Kredite zu vergeben

Wenn, hätte, wäre ... Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit für den ersten Schritt hin zur Negativrendite auch für Sparer, die Leitzinssenkung von derzeit 1,0 auf höchstwahrscheinlich 0,5 Prozent? An den Börsen wird angesichts der sich sukzessive verschlechternden Wirtschaftsdaten fest damit gerechnet - zumal dieser Trend zunehmend auch Deutschland erfasst. Außerdem wird die auch auf die gefallenen Ölpreise zurückzuführende geringere Inflationsrate ins Feld geführt. Das eröffnet den Währungshütern Spielraum für Zinsentscheidungen.

Angenommen der Leitzins landet bei 0,5 Prozent, so hätte das noch nicht zwingend Negativrenditen für Tagesgeld zur Folge. Da spielt eher ein Phänomen der Euro-Krise eine Rolle. So sind Leitzinssenkungen in dieser Phase nahezu immer nur Banken zugute gekommen, die sich billig Geld bei der EZB besorgten, das aber nicht wie angedacht zur Ankurbelung der Konjunktur an die Wirtschaft weiterreichten.

Die Banken horten also offensichtlich lieber Geld, als Kredite zu vergeben. Sie parken überschüssiges Geld lieber bei der Zentralbank und bekommen dort bisher 0,25 Prozent. Das ist zwar sehr wenig, doch angesichts der riesigen Summen wirkt sich selbst diese Anlage in der „Angstkasse“ bilanzwirksam aus.

“Selbst negative Zinsen sind nicht irrational“

Die Zentralbank könnte diese Praxis mit Blick auf ihre Verantwortung für die Konjunktur im Zuge der Leitzinssenkung unterbinden wollen. So gibt es nicht wenige auf dem Parkett, die fest damit rechnen, dass die EZB den Guthabenzins kippt. Selbst negative Zinsen seien nicht irrational, sagt Christoph Kind von der Fondsgesellschaft Frankfurt Trust gegenüber der Tageszeitung „Die Welt“.

Negative Guthabenverzinsung für Banken aber hat eben auch negative Folgen für Sparer. Ihr Zinsniveau sinkt dann ebenfalls, denn die Banken haben ja kein Interesse daran, mit dem Geld der Sparer Geld zu verlieren. Im Extremfall bekommen die sogar weniger Geld zurück als sie der Bank anvertraut haben. Das wäre dann die angesprochene schleichende Enteignung.

Die droht übrigens ganz nebenbei auch den Banken. Dann nämlich, wenn Pläne der EU-Kommission verwirklicht würden, die eine europäische Bankenunion mit grenzüberschreitender Einlagensicherung zum Ziel haben. Auch dies gefährdet letztlich Sparkonten, die über das deutsche Vorsorgeprinzip für Sanierungsfälle gesichert sind. Im europäischen Haftungsverbund nämlich würden nach aktueller Lage ja vorwiegend Schieflagen in Südeuropa beseitigt. Die Hauptrichtung des Geldtransfers zur Bankenstützung wäre also von Anfang an vorgegeben. Das kann ernsthaft niemand festlegen.

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