Sparkasse übernimmt Haftung

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Guido Braun

Offenbach - Bankkunden bekommen in diesen Tagen die neuen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) ihrer Institute zugeschickt. Am 31. Oktober treten die Regeln in Kraft. Im Interview mit unserem Redaktionsmitglied Marc Kuhn erläutert der Vorsitzende des Vorstands der Sparkasse Offenbach, Guido Braun, die wichtigsten Änderungen.

Warum werden die AGB geändert?

Mit der Änderung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen setzen wir als Sparkasse Offenbach, wie alle Kreditinstitute in Deutschland, die EU-Richtlinie über Zahlungsdienste im Binnenmarkt - die EU-Zahlungsdiensterichtlinie - um. Dabei ist es Ziel des neuen einheitlichen Rechts, den Zahlungsverkehr zukünftig im EU-Binnenmarkt zu vereinheitlichen und ihn noch einfacher und schneller durchzuführen.

Warum bekommt der Sparkassen-Kunde die AGB geschickt?

Jedes Kreditinstitut ist verpflichtet, die Kunden über Änderungen direkt zu informieren. Ein allgemeiner Hinweis auf die Änderungen wird als nicht ausreichend angesehen. Deshalb haben wir uns dafür entschieden, unseren Kunden mit Zahlungsverkehrskonten die Allgemeinen Geschäftsbedingungen zuzuschicken.

Was ändert sich bei Schäden durch gestohlene oder verlorene EC-Karten?

Die EU-Gesetzgebung sieht vor, dass Kunden bei Schäden durch eine missbräuchliche Nutzung von Zahlungskarten mit 150 Euro mithaften. Die Sparkasse übernimmt abweichend von dieser gesetzlichen Regelung eine zusätzliche Haftung und ersetzt dem Kunden den vollen Schaden. Voraussetzung ist dabei, dass der Kunde sorgfältig mit seiner Karte und der Geheimzahl umgegangen ist. Daneben gilt wie bisher: Sobald der Kunde seine Karte gesperrt hat, zum Beispiel über den zentralen Sperrnotruf 116 116, übernimmt die Sparkasse die Haftung für eventuelle Schäden.

Was ändert sich bei Überweisungen?

Da viele Abläufe automatisiert sind, werden Überweisungen - ganz gleich ob sie im Online-Banking, am Selbstbedienungsterminal der per Überweisungsbeleg erfolgen - künftig maßgeblich anhand der Kontonummer und der Bankleitzahl ausgeführt. Der bisher bei Überweisungsbelegen vorgeschriebene Abgleich mit dem Namen des Empfängers entfällt. Das bedeutet für unsere Kunden, dass sie das Ausfüllen von Überweisungsformularen oder das Eintippen der Kontonummern zumindest mit der gleichen Sorgfalt erledigen, wie in der Vergangenheit.

Wie schnell werden Überweisungen in Zukunft ausgeführt?

Innerhalb der EU muss die Überweisung innerhalb von drei Geschäftstagen eintreffen, bei beleghaften Zahlungen verlängert sich die Frist um einen Tag. Ab dem 1. Januar 2012 verkürzt sich diese Frist auf einen Geschäftstag beziehungsweise zwei Geschäftstage bei beleghaften Überweisungen. Dies ist übrigens ein Standard, den sich die Sparkassen im Inlandszahlungsverkehr bereits seit Jahren gesetzt haben.

Können Kunden irrtümliche Überweisungen künftig noch aufhalten?

Ab dem 31. Oktober 2009 gelten Überweisungsaufträge bereits nach dem Zugang bei der Sparkasse als unwiderruflich. Bis zu diesem Zeitpunkt ist ein Widerruf durch Erklärung gegenüber der Sparkasse möglich. Die Sparkasse kann dem Kunden behilflich sein, bei einer falschen Überweisung den Überweisungsbetrag zurückzuerlangen. Dabei ist sie berechtigt im Erfolgsfall einen Kostenersatz in Rechnung zu stellen.

Was ändert sich bei Lastschriften?

Für Zahlungen innerhalb Deutschlands wird das bisherige Lastschriftverfahren - Einzugsermächtigung - weiterhin angeboten. Bei diesem Verfahren kann der Zahlungspflichtige bis zu sechs Wochen nach dem Rechnungsabschluss der Belastungsbuchung widersprechen. Für Lastschriften innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraumes wird künftig ein neues Verfahren, das sogenannte SEPA-Lastschriftverfahren, SEPA bedeutet Single Euro Payments Area, eingeführt. Die Lastschrifteinreicher, beispielsweise Versicherungen, benötigen dazu eine erneute Zustimmung zu den Abbuchungen. Der Verbraucher hat bei diesem Verfahren eine Widerspruchsfrist von acht Wochen nach der Belastung. Darüber hinaus ist es künftig für die Sparkasse wieder möglich, bei Lastschriftrückgaben mangels ausreichenden Kontostands für die Benachrichtigung des Kunden einen angemessenen Kostenersatz in Rechnung zu stellen.

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