Sparkassen attackieren Pläne der EU

Frankfurt ‐ Der Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen hat Pläne der Europäischen Union für ein einheitliches Sicherungssystem, wonach Einlagen europaweit für jeden Kunden mit 100.000 Euro abgesichert werden sollen, scharf kritisiert. Von Marc Kuhn

Dadurch würde die Lastenverteilung noch mehr in Richtung von Sparkassen und Volksbanken verlagert, „die ein eindeutig kleinteiligeres Einlagengeschäft unterhalten als Großbanken“, sagte Verbandspräsident Gerhard Grandke gestern in Frankfurt. Er vermisst zudem Risikoelemente. Eine Sparkasse, mit mittelständisch geprägtem Kreditgeschäft und daher überschaubaren Risiken, müsste dann den gleichen Betrag zahlen wie ein Kreditinstitut mit einem erheblichen Kapitalmarktgeschäft, einem risikobehaftetem Großkundengeschäft, niedrigen Eigenkapitalquoten und unzureichenden Reserven.

Bei Basel III, die Regelung sieht deutlich strengere Eigenkapital- und Liquiditätsregeln als bisher vor, werde der Risikoaspekt viel zu sehr ausgeblendet, erklärte Grandke weiter. Alle Banken würden über einen Kamm geschoren. Nach den Erfahrungen der Finanzkrise sei ein solcher Puffer zwar keineswegs falsch. „Für Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die in der Regel über einen hohen Einlagenüberhang verfügen, macht er allerdings überhaupt keinen Sinn“, sagte Grandke. „Sparkassen haben kein Liquiditätsproblem und benötigen deshalb auch keine Zusatzpuffer.“

Plus beim Kreditgeschäft durch gute Konjunktur

Das vergangene Geschäftsjahr ist für die 50 Sparkassen in Hessen und Thüringen sehr positiv verlaufen. 2011 werde ihnen die „robuste konjunkturelle Entwicklung entgegenkommen“, berichtete Grandke. Er betonte aber: „Die kräftig nach oben gerichtete Entwicklung der Erträge ist nicht in die Zukunft fortschreibbar.“ Im vergangenen Jahr verdienten die Sparkassen nach Steuern 359,6 Millionen Euro, das waren fast 71 Prozent mehr als 2009. Die Bilanzsumme ist mit 112,2 Milliarden Euro praktisch stabil geblieben. Die Kernkapitalquote habe sich von 11 auf 11,7 Prozent verbessert. Der Zinsüberschuss sei um mehr als 83 Millionen Euro oder 3,5 Prozent auf gut 2,4 Milliarden Euro gestiegen, erklärte Grandke. Der Provisionsüberschuss habe um über 19 Millionen Euro oder mehr als 3 Prozent auf 629 Millionen Euro zugelegt.

Dank der guten Konjunktur hat sich das Kreditgeschäft der Sparkassen 2010 gegenüber dem Vorjahr deutlich verbessert. Die Kundenforderungen der Sparkassen hätten um 862 Millionen Euro oder 1,5 Prozent auf 57,8 Milliarden zugelegt, sagte Grandke. Der Bestand an Krediten für Unternehmen sei um 679 Millionen Euro oder 2,7 Prozent auf 25,7 Milliarden Euro gestiegen. Die Anleger haben nach den Worten von Grandke 2010 vor allem auf Sicherheit und Liquidität gesetzt. Deshalb hätten die Sparkassen Zuwächse bei täglich fälligen Einlagen und Sparanlagen verzeichnet.

Antwort der EU-Kommission abwarten

Grandke bestätigte die grundsätzliche Bereitschaft der Sparkassen, sich an der Rettung der WestLB zu beteiligen. Die angeschlagene Landesbank soll nach einem Plan der Sparkassen in Nordrhein-Westfalen radikal zu einer Sparkassenzentralbank umgebaut und auf ein Viertel verkleinert werden.

Finanziell könne der Verband Hessen-Thüringen seinen Kapitalanteil an dieser möglichen Verbundbank aufbringen, die den Sparkassen gehören und für diese als Dienstleister tätig sein würde. Bisher seien aber noch zu viele Fragen ungeklärt. Deshalb gebe es keine Beschlüsse - weder bei irgendeiner Sparkassenregion noch bei einer Landesbank, sagte Grandke. „Wir werden jetzt zunächst einmal die Antwort der EU-Kommission auf die Vorschläge aus Berlin und Düsseldorf abzuwarten haben.“

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