Verband gegen „überflüssige Regulierung“

Sparkassen in Finanzkrise auf Erfolgskurs

Frankfurt ‐ Der Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen hat Lehren aus der internationalen Finanzmarktkrise angemahnt. Von Marc Kuhn

Der Finanzdienstleistungssektor dürfe nicht sich selbst überlassen werden, sagte der geschäftsführende Präsident des Verbands, Gerhard Grandke, gestern in Frankfurt. Der Weg der Deregulierung habe sich als Irrweg herausgestellt. Allerdings: „Die Sparkassen und auch die Volksbanken müssen bei der Regulierung aufpassen, dass sie nicht mit für große, international tätige Institute sinnvollen und notwendigen Maßnahmen überzogen werden, die überflüssig sind und Schaden anrichten“, erklärte Grandke weiter. „Es wäre ein Treppenwitz, wenn unser System der Institutssicherung zugunsten der Unterstützung eines internationalen Bankenfonds geopfert würde.“ Die Sparkassen sollten „nicht für die Fehlentscheidungen von börsennotierten Aktiengesellschaften zur Kasse gebeten werden“.

Bei der seit Jahren diskutierten Neuordnung der Landesbanken erwartet der Verband als Haupteigentümer der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) weiterhin keinen Durchbruch. „Zusammenschlüsse zwischen Landesbanken sehe ich derzeit nicht“, sagte Grandke. Die Sparkassen halten 85 Prozent der Helaba-Anteile. Die Helaba habe 2009 ein ordentliches Ergebnis erzielt und verfüge über ausreichend Kernkapital, berichtete Grandke. „Wir werden im Gesellschafterkreis gemeinsam überlegen, in welchen Bereichen wir noch Chancen nutzen wollen.“

Die Sparkassen in Hessen und Thüringen haben sich 2009 erfolgreich gegen die Finanzkrise gestemmt, allerdings fällt der Ausblick auf das laufende Jahr verhalten aus. „Wir sind ordentlich durch die Krise gekommen“, erläuterte Grandke. Der Verbandspräsident berichtete aber weiter: „Die Kreditnachfrage wird - wenn überhaupt - nur sehr langsam Fahrt aufnehmen.“ Auch bei Kundeneinlagen und im Wertpapiergeschäft seien die Möglichkeiten zu Zuwächsen 2010 eng begrenzt. Hohe Kurzarbeiterzahlen und steigende Arbeitslosenzahlen begrenzten die Spielräume.

Die 50 Sparkassen in den beiden Ländern - 34 in Hessen und 16 in Thüringen - verdienten im vergangenen Jahr nach Steuern 255,5 (Vorjahr: 129,7) Millionen Euro. Die Kreditvergabe vor allem an den Mittelstand weiteten die Institute aus: Der Bestand wuchs um fast 600 Millionen Euro auf 57 Milliarden Euro. Die Kundeneinlagen verringerten sich um etwa 430 Millionen Euro auf 81,2 Milliarden Euro.

Spareinlagen hätten 2009 bei den Sparkassen eine Renaissance erlebt, sagte Grandke. Sie seien um knapp zehn Prozent oder etwa 2,5 auf 27,7 Milliarden Euro gestiegen. Ein noch kräftigeres Wachstum verzeichneten die täglich fälligen Gelder. Hier seien die Einlagen um 8,7 Milliarden oder 28,7 Prozent auf 39,2 Milliarden Euro gestiegen. Im Wertpapiergeschäft habe die Finanzmarktkrise Spuren hinterlassen. Die Umsätze seien um 27 Prozent auf 12,5 Milliarden Euro gefallen, erklärte der Verbandspräsident weiter.

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