Stellenabbau trotz Konjunkturerholung

Frankfurt ‐ Die Wirtschaft im Bezirk der Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt wird sich im nächsten Jahr weiter von der schwersten Krise der Nachkriegszeit in Deutschland erholen, der Arbeitsplatzabbau geht dennoch weiter. 2010 wächst die Konjunktur voraussichtlich um zwei Prozent. Von Marc Kuhn

Von einer positiven Entwicklung sprach IHK-Präsident Mathias Müller gestern in Frankfurt. „Es hellt sich auf“, fügte Markus Frank, Wirtschaftsdezernent der Stadt, hinzu. Der Standort Frankfurt/Rhein-Main habe sich als robust erwiesen. „Es hätte noch viel schlimmer kommen können“, sagte Frank.

Auf mittlere Sicht müsse man sich im Kammerbezirk, der aus der Stadt Frankfurt sowie dem Hochtaunus- und Main-Taunus-Kreis besteht, allerdings auf schwächere Wachstumsraten einstellen, erklärte Müller. Wichtig sei, dass die Exportnachfrage die Binnenwirtschaft mit sich ziehe - „das ist der Schlüssel“. Der IHK-Präsident erläuterte aber weiter: „Die ein oder andere Unebenheit - Stichwort Dubai - wird uns nicht erspart bleiben.“

Müller erwartet im Kammerbezirk 2009 einen Abbau von etwa 15000 Arbeitsplätzen, im nächsten Jahr könnten es noch einmal rund 35.000 Stellen sein. Hochgerechnet auf die etwa zwei Millionen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in der Region sei das ein Rückgang von 0,75 Prozent in diesem und 1,75 Prozent im nächsten Jahr. „Frankfurt/Rhein-Main ist relativ glimpflich durch die Krise gesegelt“, berichtete Müller.

Logistikbranche wächst stark

Es gelte nun, sich auf die Zeit nach der Krise vorzubereiten, sagte Frank. Deshalb sollte in die Infrastruktur investiert werden. Der Wirtschaftsdezernent betonte, dass die Stadt vor allem für die Verkehrsinfrastruktur Geld ausgebe. Frank erklärte weiter, die Wirtschaft müsse auf mehrere Säulen gestellt werden. Er hob die Bedeutung der Banken hervor. Zudem wachse die Logistikbranche stark. Frankfurt solle darüber hinaus als Stadt der Gründer ausgebaut werden. So sei ein Unternehmensgründungs-Programm geplant. Damit sollten Gründer unterstützt werden, die bis zu 50.000 Euro benötigten.

Müller erklärte, es sei wichtig, „die Verfügbarkeit von Investitions- und Betriebsmittelfinanzierungen sicherzustellen“. Umfragen zeigten, dass die Unternehmen eine Verschärfung der Konditionen erlebten, keine Kreditklemme. Die Situation könne sich aber verschärfen, wenn die Jahresabschlüsse zur Verschlechterung der Ratings führen.

Die IHK sprach sich für drei Veränderungen am Deutschlandfonds, dem 115 Milliarden Euro umfassenden Programm des Bundes für kriselnde Unternehmen, aus. So sollte sich die Bewertung der Bonität einer Firma nicht auf die vergangenen drei, sondern auf die letzten fünf Jahre beziehen. Zudem sollte die geplante Absicherung der Forderungen der Warenkreditversicherungen umgehend realisiert werden, verlangte Müller. Darüber hinaus forderte die IHK, die Haftungsfreistellung bei Betriebsmittelkrediten im KfW-Programm von 60 Prozent weiter anzuheben. So könnte gewährleistet werden, dass Banken weniger Eigenkapital für Firmenkredite anrechnen müssten.

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