Stellenabbau trotz Zuversicht

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In Hessens Metallfirmen keimt die Hoffnung, dass die Krise langsam überwunden wird.

Frankfurt ‐ Die hessische Metall- und Elektroindustrie geht mit verhaltenem Optimismus in das nächste Jahr, plant aber den Abbau weiterer Arbeitsplätze. Von Marc Kuhn

Die Branche habe die Talsohle in der Wirtschaftskrise durchschritten und befinde sich auf dem „Weg zurück auf ein neues Hochplateau“, sagte der Hauptgeschäftsführer von Hessenmetall, Volker Fasbender, gestern bei der Vorlage der Herbstumfrage in Frankfurt. „Aber der Weg dorthin ist steinig und wird lange dauern.“ 64 Prozent der befragten Unternehmen hätten angegeben, dass die Krisenphase überwunden sei. Zudem hätten aber 71 Prozent der Firmen erklärt, dass sie stark oder sehr stark von der Krise betroffen seien.

Vor allem Produktion und Verwaltung betroffen

Bei den Jobs haben wir die Talsohle noch gar nicht erreicht“, erklärte Fasbender weiter. Der Beschäftigungsabbau sei bislang mit einem Minus von fünf Prozent deutlich langsamer gewesen als der Absturz bei Umsatz (minus 18 Prozent) und der auf eine Auslastung von 70 Prozent abgesunkenen Produktion, weil die Unternehmen ihren Kernbelegschaften die Treue gehalten hätten. Sie täten dies auch, um auf den nächsten Aufschwung vorbereitet zu sein. Vom kommenden Stellenabbau sind vor allem Produktion und Verwaltung betroffen, während Mitarbeiter in Vertrieb, Forschung und Entwicklung weniger um ihre Jobs bangen müssten.

Bis zum Frühjahr 2010 wird der Umfrage zufolge mit einem Abbau von Jobs um 3,1 Prozent gerechnet, wie Helmut Rau, bei der Arbeitgeberorganisation Hessenmetall für das Tarifwesen zuständig, erläuterte. Die allgemeine Geschäftslage würden fast 40 Prozent der Firmen als befriedigend, 47 Prozent als schlecht und 13 Prozent als gut bezeichnen, berichtete Rau weiter. Für das nächste Halbjahr rechneten 63 Prozent mit einer vergleichbaren Geschäftslage, 14 Prozent mit einer Verschlechterung, aber immerhin 23 Prozent mit einer besseren Lage.

Den Auftragsbestand hätten 55 Prozent als zu gering und 38 Prozent als ausreichend bezeichnet. Bis zum Frühjahr werde sich nach Einschätzung von 56 Prozent der Befragten daran nichts ändern. Aber 30 Prozent gingen von eher zunehmenden Auftragsbeständen aus. „Auch das spricht dafür, dass die Talsohle durchschritten ist. Es sagt aber noch nichts darüber aus, wie steil und anhaltend der Aufstieg wird“, sagte Rau. Bei 39 Prozent der Firmen seien die Umsätze seit dem Frühjahr gefallen. 32 Prozent hätten vergleichbare und fast 30 Prozent gestiegene Umsätze gemeldet. Für das nächste Halbjahr rechneten fast 59 Prozent mit eher gleichbleibenden, 17 Prozent mit rückläufigen und 24 Prozent mit eher steigenden Umsätzen.

„Kapitalbedarf der Unternehmen nimmt zu.“

Der Umfrage zufolge sind die Ergebnisse eingebrochen. Mehr als 45 Prozent der Firmen hätten über gefallene Erträge gegenüber dem Frühjahr berichtet, sagte Rau. Bei über 35 Prozent seien sie vergleichbar und bei knapp 20 Prozent gestiegen. Bis zum Frühjahr erwarteten 24 Prozent ein eher zurückgehendes Ertragsniveau, 57 Prozent gingen von gleich bleibenden Erträgen aus, aber 19 Prozent hofften auf eher steigende Erträge.

Fasbender forderte zur Sicherung der Betriebe Entlastungen auf der Kostenseite und ihre Versorgung mit Liquidität und Krediten. Entscheidend sei, „dass weder Politik noch Tarifpolitik die Unternehmen mit weiteren Belastungen überziehen“. Der Kapitalbedarf der Unternehmen nehme zu. Der Hauptgeschäftsführer warnte vor einer Kreditklemme. „Wir sehen hier ein wachsendes Problem.“

Fasbender sprach sich zudem für eine Verlängerung des Tarifvertrags zur Beschäftigungssicherung mit der IG Metall aus. Die Regelungen zur Arbeitszeitverkürzung böten den Unternehmen gegenüber der Kurzarbeit den Vorteil einer echten Kostenentlastung, weil sich die Arbeitsreduktion vollständig in den Lohnkosten niederschlage. Die Arbeitnehmer müssten befristet mit geringerem Einkommen leben, behielten aber ihren Arbeitsplatz.

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