Privatbanker am Pranger

Kommentar: Stellvertreter des Systems

Ausgerechnet eine vermeintlich seriöse Privatbank wie Sal. Oppenheim bekommt dieser Tage die Quittung für ihre Zockerei an den internationalen Finanzmärkten. Von Frank Pröse

Die Bankenaufsicht besteht auf einem Führungswechsel und der Rückkehr zu einer „konservativen Bankführung.“ Das sollten die Aufseher nicht nur immer von angeschlagenen, sondern auch von inzwischen gesund-subventionierten Instituten einfordern. Denn deren Führungen haben aus der Krise nichts gelernt und das Casino längst neu eröffnet. Billiges Geld der Notenbanken und deren Strategie des massiven Aufkaufs sogenannter Giftpapiere ruft die Zocker erneut auf den Plan. Sie gehen schon wieder höchste Risiken ein, fantasieren von unglaublichen Renditen und feiern bei den Boni neue Exzesse.

Viele Banker haben offenbar immer noch nicht begriffen, was die Stunde geschlagen hat. Es geht in dieser schwierigen wirtschaftlichen Phase nicht um möglichst hohe Gewinnsteigerungen, sondern um die Reparatur der Schäden, die diese Clique in den Chefetagen der Banktürme mitverursacht haben. So steht das Finanzsystem längst noch nicht wieder auf einer stabilen Basis und lechzen die Unternehmen seit Monaten nach bezahlbaren Krediten.

Doch reparieren ist mühsam und wenig erquicklich, wenn man die Möglichkeit hat, Gewinne ohne erhebliches Risiko einzustreichen, da Verluste ohnehin sozialisiert werden. Solange es keine Haftung für Manager gibt, wird es in dieser Hinsicht keine Verbesserung geben. Die Banker müssen wissen, dass nicht nur dem Bankräuber Gefängnis droht, sondern auch jenen Herren im feinen Zwirn, die Kunden und Steuerzahler abzocken.

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