Anpassung der Strategie senkt Risiko

Struktur der Anlagen ist wichtig

+

Dreieich/Neu-Isenburg - Die Suche nach der passenden Geldanlage ist häufig schwierig. Auf die richtige Vermögensstruktur kommt es an, meinen Experten.

Viele Anleger beschäftigen sich intensiv mit dem Börsengeschehen, verfolgen die Wirtschaft und Unternehmensdaten. Dabei immer auf der Suche nach dem heißen Anlagetipp. Wie schwer es selbst Profis beim sogenannten „stock picking“, der gezielten Investmentauswahl zur Renditesteigerung, fällt, zeigen Fondsstudien. Mehr als 80 Prozent aller Fonds schlagen ihre Vergleichsgröße eben nicht. Privatanleger sollten daher auf einen anderen Renditefaktor achten. „Studien belegen, dass 90 Prozent des Anlageerfolgs auf die richtige Vermögensstruktur zurückzuführen ist“, erläutert Guido vom Schemm, Geschäftsführer der GVS Financial Solutions GmbH mit Sitz in Dreieich. „Leider wird die Steuerung der Vermögensklassen bei der Eigendisposition sowie der klassischen Anlageberatung sträflich vernachlässigt. Dies ist aber die Königsdisziplin, um nachhaltige Erfolge zu erzielen.“ Die wissenschaftliche Erkenntnis sei durchaus bei vielen Marktteilnehmern bekannt, doch die Umsetzung hapere aus mehreren Gründen. „Vor allem die Finanzindustrie fördert dieses ineffektive Verhaltensmuster, um höhere Provisionen zu erzielen“, erklärt vom Schemm. Ständig würden neue Produkte, Vertriebsstorys oder neue Länderkürzel wie BRIC (Brasilien, Russland, Indien, China) präsentiert, um den Anleger zum Handeln zu bewegen. Umsatz bedeutet Provisionen für den Vertrieb.

„Besonders in der Anlageberatung wird das Muster deutlich, hier dreht sich alles um Produkte – hübsche Flyer sowie Hochglanzprospekte, aber selbst das Beratungsprotokoll birgt die Gefahr, die Anlegerrendite systematisch zu schmälern“, gibt Frank Haser, Geschäftsführer der gleichnamigen Vermögensverwaltung aus Neu-Isenburg, zu bedenken. Durch eine kontinuierliche Anpassung der Vermögensstruktur werde nicht nur die Rendite optimiert, sondern gleichzeitig könne auch das Gesamtrisiko gesenkt werden.

Bei einer Strukturanalyse wichtig:

Folgende Aspekte seien bei einer Strukturanalyse wichtig: Gewichtung der Vermögensklassen wie Aktien, Anleihen und Rohstoffe, die regionale Vermögensaufteilung sowie die Währungsstruktur der Anlagen. „Verliert der deutsche Aktienindex Dax beispielsweise über 20 Prozent, ist es nahezu egal, ob der Anleger eine BMW- oder Daimler-Aktie hält“, berichtet Haser. „Vermutlich werden beide in ähnlicher Höhe Kursverluste verzeichnen. Die richtige und rechtzeitige Frage müssten lauten – welcher Aktienanteil ist in der aktuellen Lage vertretbar? Wie hoch sollten deutsche Aktien gewichtet sein?“ Anleger, die eine konkrete Strategie und ein Risikomanagement verfolgten, müssten die Gewichtungen ihrer Vermögensklassen zwangsweise dynamisch vornehmen. „Daran zu glauben, dass sich die eigenen dauerhaft verlustbringenden Titel schon irgendwann wieder in die Gewinnzone entwickeln werden, ist oft ein Irrtum“, erklärt Haser. Deshalb sei es ratsam, verschiedene Signale wie volkswirtschaftliche Kennzahlen oder auch Kennzahlen eines Aktienmarktes zu beobachten, um eine Handlungsempfehlung abzuleiten.

Einen Wermutstropfen gebe es allerdings. „Die Steuerung der Vermögensstruktur kann Verluste abfedern, aber eine 100-prozentige Garantie und Sicherheit kann sie nicht ersetzen.“ Den jüngsten Beleg lieferte die Finanzkrise. 2008 verloren auch gute sortierte Depots an Wert, jedoch weniger als schlecht strukturierte. „Wer sich auf die Vermögensstruktur konzentriert, der kann entspannter, zeitschonender, aber vor allem risikoärmer sein Geld an den Kapitalmärkten anlegen“, sagt vom Schemm.

Was machen Ratingagenturen eigentlich genau?

Was machen Ratingagenturen eigentlich genau?

Im nächsten Teil der Serie geht es um das Auslaufmodell Lebensversicherung.

ku

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare