Immobilienbesitzer sind meist ahnungslos

Frankfurt - Die Sanierung von Gebäuden ist einer der wichtigsten Hebel im ambitionierten Energiekonzept der Bundesregierung. Bei den Immobilienbesitzern in Deutschland ist das Vorhaben bisher indes noch nicht so richtig angekommen. Von Marc Kuhn

„Die, die es umsetzen sollen, kennen sich nicht aus mit dem Konzept“, sagte Peter Marc Stober, Sprecher der Geschäftsleitung der Landesbausparkasse (LBS) Hessen-Thüringen, in Frankfurt unter Verweis auf eine GfK-Studie. Danach scheint nur etwas mehr als jeder achte Hausbesitzer mit den Plänen der Regierung vertraut zu sein. Der Sanierungsfahrplan sieht vor, dass der Primärenergiebedarf bis 2050 um 80 Prozent reduziert werden soll.

Jeder dritte Eigentümer eines Hauses sieht der Untersuchung zufolge allerdings einen Modernisierungsbedarf bei seiner Immobilie. Vor allem wenn das Häuschen älter als 30 Jahre ist, wird diese Notwendigkeit erkannt. Mit Abstand wichtigstes Ziel von Modernisierungen ist die Senkung der Energiekosten.

Vor allem Bausparverträge werden genutzt

Nach den Worten von Stober werden vor allem Bausparverträge genutzt, um Geld für energetische Maßnahmen anzulegen. Nach den Ergebnissen der Studie sind 70 Prozent der Wohneigentümer, die renovieren, Bausparer. „Für energetische Sanierungsmaßnahmen werden in der Regel 20.000 bis 50.000 Euro fällig, also ein Volumen in der klassischen Größe eines Bausparvertrags“, erklärte Stober.

Werner Hoffmann, Mitglied der Geschäftsleitung der LBS, fügte hinzu: „Betongold bleibt gefragt.“ Die Untersuchung habe gezeigt, dass vor allem das eigene Haus und Bausparverträge zurzeit von den Deutschen für attraktive Geldanlagen gehalten werden.

Zahl der neuen Verträge ist 2011 gesunken

Angesichts der niedrigen Zinsen sei es noch nie so günstig gewesen, eine Immobilie zu erwerben, berichtete Stober. „Das fördert das Bausparen.“ Das Betriebsergebnis nach Bewertung habe die LBS in Hessen und Thüringen im vergangenen Jahr deutlich erhöht. Es habe sich gegenüber 2010 verdoppelt auf 13,3 Millionen Euro. Zu den positiven Zahlen habe ein gestiegener Zinsüberschuss und ein verringerter Verwaltungsaufwand beigetragen. Zudem habe die Bausparkasse keine Wertberichtigungen im Zusammenhang mit der Staatsschuldenkrise vornehmen müssen, erläuterte Stober. Der Zinsüberschuss legte um 6,8 Prozent auf 71,5 Millionen Euro zu.

Die Zahl der neuen Verträge ist 2011 allerdings auf gut 110.800 gesunken. Auch die Bausparsumme in diesem Bereich verringerte sich leicht auf 2,7 Milliarden Euro. Die Höhe der Bauspardarlehen stieg um fast 22 Prozent auf 102,5 Millionen Euro.

Der Start ins Jahr sei sehr gut gewesen

Wohn-Riester, die staatlich geförderte Altersvorsorge, ist nach den Worten von Stober eine Erfolgsstory. Im vergangenen Jahr seien 8.535 Riester-Bausparverträge abgeschlossen worden, ein Plus von 10,6 Prozent. Die Bausparsumme sei um etwa 18 Prozent auf 302,3 Millionen Euro gestiegen.

Stober zeigte sich zuversichtlich, dass das Neugeschäft mit Bausparverträgen in diesem Jahr wieder gesteigert werden kann. Der Start ins Jahr sei sehr gut gewesen, berichtete er. Die Bausparer in Hessen und Thüringen haben im ersten Quartal fast 32 450 Verträge abgeschlossen. Die Bausparsumme legte um 4,8 Prozent auf 785 Millionen Euro zu.

Rubriklistenbild: © Rainer Sturm / pixelio.de

Kommentare