Taschendesign aus dem Rodgau

+
Abro-Geschäftsführer Achim Bruder zeigt einen Teil der Taschen-Kollektion für den Sommer 2014. Das Unternehmen lässt die Taschen in Rumänien herstellen.

Rodgau - Nur wenige Lederfirmen haben in Offenbach überlebt. Zu ihnen zählt Abro im Rodgau. Wie so manche Konkurrenten lässt auch das Familienunternehmen im Ausland produzieren. Von Marc Kuhn

Tausende Kartons sind in den Hallen der Firma Abro im Rodgau gestapelt. Die Mitarbeiterinnen öffnen sie, kontrollieren die Taschen und verpacken sie wieder vorsichtig. Nebenan im Ausstellungsraum stehen Taschen in Orange, Grün und Blau in den Regalen neben Schuhen für Frauen - es sind die Produkte für die Sommersaison 2014. Weiß liegt im nächsten Jahr im Trend, sagt Achim Bruder. Aber auch Farben seien wieder „in“, allerdings etwas neutraler als 2013. „Eine Tasche muss schön sein, muss anmachen“, erklärt der 41-jährige Geschäftsführer, der mit seinem Bruder Stefan Bruder das Familienunternehmen leitet - eine der letzten übrig gebliebenen Lederfirmen in Offenbach.

Gerade werden eine Broschüre und ein Video über Abro angefertigt. Sie sind für Händler gedacht, die die Taschen, Schuhe, Gürtel und Accessoires verkaufen. Sie sollten sehen, wer hinter den Produkten steht, berichtet Achim Bruder. „Die Geschichte der Firma wird verfilmt“, freut sich die 75-jährige Mutter Edeltraud, die noch immer täglich ins Unternehmen kommt. Weil es ihr Spaß macht, erläutert der Sohn und sagt, sie sei eine tolle Unterstützung.

Das Design der Taschen entsteht immer noch im Rodgau. Hergestellt werden sie aber schon lange nicht mehr dort. Der Firma Abro, seit den 30er-Jahren in Jügesheim ansässig, ist es so ergangen wie vielen anderen Lederunternehmen in Offenbach. Der Preisdruck aus Asien ist zu groß gewesen. „Der Kunde ist nicht bereit, 600, 700 Euro für eine Tasche zu zahlen“, erklärt Bruder. Die Lohnkosten seien in Deutschland zu hoch. Autos könnten hierzulande zwar noch gebaut werden. Bei einer Handtasche sei allerdings viel Handarbeit nötig. Seit Ende der 70er Jahre lässt Abro die Taschen in Rumänien fertigen. Dort gebe es viele Fachleute, erklärt Bruder. In zwei Fabriken arbeiten etwa 250 Menschen für Abro. Im Rodgau sind es rund 50. Alle Materialien würden dort zunächst geprüft, berichtet Bruder. Das Leder kommt aus Italien. Es stammt vor allem von Rindern, aber auch von Ziegen und Lämmern. Ist die Tasche in Rumänien produziert worden, kommt sie in den Rodgau. Die Qualität wird getestet, bevor die Tasche an die Händler ausgeliefert wird. Diese Arbeit übernehmen Feintäschner und Stepper, die einst an Nähmaschinen gesessen haben. Die Fachfrauen, die früher selbst Taschen gefertigt haben, sehen Fehler sofort.

Modenschau bei Lederwarenmesse

Modenschau bei Lederwarenmesse

„Die Qualität muss stimmen, und der Preis muss stimmen“, erklärt Bruder. Die Taschen von Abro kosten durchschnittlich etwa 250 Euro, die Schuhe 150 Euro. Verkauft werden sie über den Fachhandel, aber auch in Kaufhäusern wie dem KdW in Berlin und dem Alsterhaus in Hamburg. Abro unterhält zudem eigene Geschäfte in Frankfurt in der Nähe der Fressgass und in Berlin. „Zu einem schönen Produkt gehört das richtige Ladengeschäft, sonst verstehen die Leute die Qualität nicht“, berichtet Bruder. Restposten werden über Outlets in Roppenheim bei Baden-Baden und Roermond in den Niederlanden verkauft.

Ein wichtiger Absatzmarkt sei Deutschland, erläutert Bruder. Seine Firma sei aber auch im europäischen Ausland stark vertreten, in Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Italien und Russland. Verkauft werden die Produkte darüber hinaus in Japan und Korea. Künftig gelte es, neue Märkte zu erschließen, sagt Bruder und hat dabei vor allem China im Bick. Angesichts der Schuldenkrise sei die Situation in Europa schwierig, erklärt Bruder. Der deutsche Markt sei aber stabil.

Pro Saison hat Abro rund 250 Produkte im Angebot. „Wir müssen alle sechs Monate die Welt neu erfinden“, erläutert der 41-Jährige. „Wir sind ein modischer Anbieter.“ Dabei versteht sich Abro nicht als Einzelhändler. „Wir sind ein Industrieunternehmen“, betont Bruder. „Die Handelspartner sind super, super wichtig.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare