Experten: Vorauszahlungen werden teils höher festgesetzt / Private Kapitalerträge fallen jetzt aus den Bescheiden heraus

Überraschungen für Steuerzahler

Frankfurt - (ku) Liegen in den nächsten Wochen die Einkommensteuerbescheide für 2008 im Briefkasten, müssen einige Bürger gleich zweimal schlucken. Denn das Finanzamt fordert nicht nur Geld für das vergangene Jahr nach, sondern setzt auch gleich Vorauszahlungen erstmals oder höher fest, wie die Kanzlei Ebner Stolz Mönning Bachem in Frankfurt mitteilte. Doch für 2009 gebe es Änderungen.

Das liege in erster Linie daran, dass die privaten Kapitalerträge aus dem Steuerbescheid herausfielen. „Anleger sind in der Neujahrsnacht beim Finanzamt ärmer geworden.“ Das wirke sich auch entlastend auf das übrige Einkommen aus. „Sparer sollten prüfen, ob die Zinsen und Dividenden tatsächlich im Vorauszahlungsbescheid fehlen“, erklärte Steuerberater Marcus Grzanna von Ebner Stolz Mönning Bachem. Sonst würden sie Abgaben an das Finanzamt und gleichzeitig Abgeltungsteuer über die Bank zahlen.

Weitere Faktoren würden Entlastung bringen, da der Tarif 2009 gesunken sei und Vorauszahlungen nur bei höheren Schwellenwerten festgesetzt würden. Den neuen Einkommensteuertarif würde der Fiskus automatisch berücksichtigen, die günstigeren Rechenschritte seien in den Programmen eingearbeitet.

„Hintergrund für die Regelungen bei den Vorauszahlungen ist, dass das Finanzamt den ihm voraussichtlich zustehenden Jahressteuerbetrag bei Bürgern und Unternehmen nicht erst im Nachhinein per Bescheid anfordert, sondern bereits vorab im laufenden Jahr“, berichtete die Kanzlei weiter. Das gelinge bei Anlegern durch die Abgeltungsteuer und bei Arbeitnehmern durch die vom Arbeitgeber einbehaltene Lohnsteuer. Bei den übrigen Steuerzahlern hole sich der Fiskus seine Ansprüche in Form von Vorauszahlungen, etwa bei Vermietern, Landwirten, Unternehmern, Freiberuflern oder Rentnern. Auch Angestellte würden auf diesem Weg vorab zur Kasse gebeten, wenn sie hohe Nebeneinkünfte hätten.

Diese Vorauszahlungen würden dann wie die Lohnsteuer oder noch für 2008 der Zinsabschlag auf die fällige Abschlusszahlung angerechnet. „Hierzu ergeht ein gesonderter Vorauszahlungsbescheid, der in der Regel als Anlage zum regulären Einkommensteuerbescheid der fiskalischen Post beiliegt.“ Der Vorauszahlungsbescheid stehe stets unter dem Vorbehalt der Nachprüfung. Das bedeute, dass für eine Änderung die „Rechtsbehelfsfrist“ von einem Monat nicht beachtet werden müsse. „Steuerzahler können somit mit der entsprechenden Begründung jederzeit ohne Einspruch einen Antrag auf Herabsetzung stellen“, erläuterte Grzanna.

Die Vorauszahlungen würden sich grundsätzlich an der Einkommensteuer bemessen, die nach Anrechnung der Lohnsteuer verbleibe. Die Abschlusszahlung werde auf vier Raten verteilt und als Vorauszahlungen im März, Juni, September und Dezember fällig. Eine Festsetzung erfolge aber nur dann, wenn der Jahresbetrag mindestens 400 Euro betrage. Diese Schwelle habe sich ab 2009 verdoppelt. Damit würden also weniger Bürger vorab etwas an den Fiskus zahlen, weil gleichzeitig auch noch die Faktoren Tarifsenkung und fehlende Kapitaleinnahmen entlasten würden. Die Finanzbeamten dürften die Vorauszahlungen auch im Nachhinein erheben. „Dies läuft im Fachjargon unter dem Begriff fünfte Vorauszahlung. 15 Monate hat die Behörde hierfür noch nachträglich Zeit, kann also die Vorauszahlungen für 2008 sogar noch bis März 2010 anpassen, soweit die nachträgliche Erhöhung mindestens 5 000 Euro beträgt.“ Das geschehe beispielsweise, wenn Bürger oder Firmen die Erklärung des Vorjahres verspätet eingereicht hätten und nunmehr auf dieser Basis von höheren Steuerbeträgen ausgegangen werde.

Für das laufende Jahr werde das Einkommen oftmals unter dem des Vorjahres liegen, denn bei vielen Unternehmern und Freiberuflern werde der Gewinn 2009 aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise deutlich geringer ausfallen. „Hier ist ein Antrag auf Anpassung der Vorauszahlungen nach unten ratsam“, erklärte Grzanna.

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